Sabine Giebken: Die Bestimmung der Haie

Inhalt:
Das Meer ist wunderschön und voller Geheimnisse. Doch das Leben der Tiere dort ist auch gefährlich. Komm mit auf eine Reise ins tiefe Blau!
Schon seit seiner Geburt ist der Weiße Hai Riko auf sich allein gestellt. Doch das ist kein Problem für ihn! Immerhin hat er einen jahrhundertealten Instinkt, der ihn leitet. So findet er nach und nach seinen eigenen Weg im weiten Meer. Eines Tages aber ist Riko plötzlich nicht mehr allein. Remi, ein junges Schiffshalter-Weibchen, weicht ihm nicht mehr von der Seite. Zu zweit schwimmen die beiden durch die Weltmeere, und als Riko einen geheimnisvollen Zahn findet, lässt ihn eine Frage nicht mehr los: Gibt es noch gefährlichere Raubtiere als ihn selbst? (Klappentext)
Einordnung:
Dies ist Band 11 der Buchreihe „Das geheime Leben der Tiere“, in der sich verschiedene Autor:innen in jedem Band einem Tier widmen. Die einzelnen Bände können voneinander losgelöst gelesen werden und nehmen nicht Bezug aufeinander.
Rezension:
Was im Bereich Sachbuch die Reihe „Was ist was“ aus dem Hause Tessloff ist, ist für Kinder die Reihe „Das geheime Leben der Tiere“, die im Löwe Verlag erscheint. In dieser widmen sich verschiedene Autorinnen und Autoren jeweils einem bestimmten Tier und lassen dieses Abenteuer erleben und schaffen es dabei, unterhaltsam und spannend Wissen zu vermitteln. Die Kinderbuchreihe, die der Verlag ab einem Alter von acht Jahren empfiehlt, entführt uns mit diesen Band durch das Leben des Weißen Hais Riko, mit dem wir die Weiten der Ozeane durchstreifen, der voller Geheimnisse aufwartet, die entdeckt werden wollen.
Haie als Identifikationsobjekt und einmal nicht als gruseliges Monster, wie diese Tiere in der Popkultur gerne dargestellt werden. In der Kinderliteratur macht man das richtig und so hat die deutsche Schriftstellerin Sabine Giebken eine vielzähnige Figur geschaffen, derer die Zielgruppe gerne folgen wird, üben die wohl mit ältesten Fische unseres Planeten gleichwohl eine gewisse Faszination auf uns aus. Kurzweilig erzählt, erleben wir mit Riko den gesamten Lebenszyklus‘ dieses beeindruckenden Wesens, entlang einer Geschichte, in der weder der Spannungsbogen, noch die Wissensvermittlung zu kurz kommt. Dabei ist schon die Geschichte überhaupt nicht langweilig. Genau so neugierig wie Riko selbst, passiert auch in der Erzählung immer etwas, ohne die junge Zielgruppe in Watte zu packen.
Ja, in dem Buch werden Seelöwen gefressen, Surfbretter attakiert, aber auch die größte Gefahr, der Mensch, eingehend beschrieben, mit seinen Netzen oder dem Abschneiden von Flossen, immer durch die Augen des tierischen Hauptprotagonisten, die dieser, wenn notwendig auch nach innen drehen kann. So lernt man Stück für Stück die Tierart mit den selbigen anders zu betrachten. Andere handlungstreibende Figuren spielen zwar für einzelne Szenen, die in kurzweiligen und kompakten Kapiteln verpackt sind, eine Rolle, bleiben sonst jedoch nebensächlich.
Wer hier der Böse ist, wird im Verlauf der Geschichte klar. Riko indes ist es nicht, stattdessen bekommen wir ein Bild des stromlinienförmigen Tieres mit Ecken und Kanten, all seinen Gewohnheiten. Der Autorin merkt man die Liebe zu Haien an oder zumindest eine umfassende Rechercheleistung, die sich hoffentlich auch bei den anderen Schreibenden durch die Bücher der Reihe zieht. Nicht nur die Waagschale zwischen Unterhaltung und Information ist hier gelungen, auch eine Gefühlsebene aufzubauen, funktioniert durch den gesamten Handlungsstrang des kleinen Romans, der ein Hailight (!) im Kinderzimmer sein dürfte.
Die Perspektive allein bleibt beim tierischen Hauptprotagonisten, der Stück für Stück mehr Lebenserfahrung und damit auch mehr Wissen ansammelt, über seine Umgebung, seine Umwelt und sich selbst. Auch eine Charakterwerdung kann man hier beobachten, gleichzeitig gelingt es so den jungen Leserinnen und Lesern behutsam Umweltbewusstsein zu vermitteln. Dabei gibt es keine unglaublichen Wendungen. Sabine Giebken hat sich bei ihrer Geschichte streng an die biologischen Gegebenheiten gehalten, die eine oder andere Überraschung in der Handlung, zumindest für die Zielgruppe, dürfte genau die richtige Mischung aus Spannungs- und ruhigen Momenten ausmachen.
Da diese feine kompakte Erzählung dem Lebenszyklus der Haie folgt, sollte spätestens im letzten Drittel klar sein, wohin die Reise geht. So wird die Erzählung eine Spur düsterer und trauriger, aber dies ist eben auch die Realität, die hier nicht ausgespart wird. Alles in allem schafft die Autorin die Welt des Weißen Hais würdig, unterhaltsam und spannend, fast filmisch zu beschreiben. Besonders spannend wird es, wenn Riko seine Sinne nutzt, um sich zu orientieren oder Beute nachzujagen.
Dieser Kinderroman ist perfekt für die Zielgruppe geeignet, so man diese ernst nimmt, man sollte jedoch auch seine jungen Leserinnen und Leser einschätzen, wie viel diesen schon zuzutrauen ist. Die Tonalität der Autorin, die perfekt durch die wunderbaren Illustrationen von Tobias Gooldschalt unterstützt wird, sollte es dem jedoch leicht machen, einen Zugang zu finden. Die Erzählung selbst bietet im Anschluss und während des Lesens, ob selbst oder vorgelesen, sicher Anknüpfungspunkte, sich mit Themen Meere, Haie, Umwelt und die Einflussnahme durch den Menschen zu beschäftigen. Ein kleiner Wissensteil am Ende des Buches, sowie weiterführende Hinweise zum Thema bieten da sicher genug Raum und Möglichkeiten.
Ich kann mit guten Gewissen sagen, dass mir diese Art von Büchern als Kind sehr gefallen hätte, zudem sich die Reihe nicht mehr nur auf Tiere des Meeres beschränkt, sondern auch Lebewesen anderer Naturräume begleitet. Für die Kombination aus Wissen und Unterhaltung gibt es von mir eine klare Leseempfehlung. Nicht nur als Fan dieser majestätischen Tiere.
Autorin:
Sabine Giebken wurde 1979 in München geboren und ist eine deutsche Schriftstellerin. Nach einem Ausflug in die Betriebswirtschaft und anderen beruflichen Irrwegen machte sie ihr Hobby vom Schreiben endlich zum Beruf. In der Reihe „Das geheime Leben der Tiere“ sind von ihr zwei Bücher erschienen.
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