Sabine Giebken: Die Bestimmung der Haie

Inhalt:
Das Meer ist wunderschön und voller Geheimnisse. Doch das Leben der Tiere dort ist auch gefährlich. Komm mit auf eine Reise ins tiefe Blau!

Schon seit seiner Geburt ist der Weiße Hai Riko auf sich allein gestellt. Doch das ist kein Problem für ihn! Immerhin hat er einen jahrhundertealten Instinkt, der ihn leitet. So findet er nach und nach seinen eigenen Weg im weiten Meer. Eines Tages aber ist Riko plötzlich nicht mehr allein. Remi, ein junges Schiffshalter-Weibchen, weicht ihm nicht mehr von der Seite. Zu zweit schwimmen die beiden durch die Weltmeere, und als Riko einen geheimnisvollen Zahn findet, lässt ihn eine Frage nicht mehr los: Gibt es noch gefährlichere Raubtiere als ihn selbst? (Klappentext)

Einordnung:
Dies ist Band 11 der Buchreihe „Das geheime Leben der Tiere“, in der sich verschiedene Autor:innen in jedem Band einem Tier widmen. Die einzelnen Bände können voneinander losgelöst gelesen werden und nehmen nicht Bezug aufeinander.

Rezension:
Was im Bereich Sachbuch die Reihe „Was ist was“ aus dem Hause Tessloff ist, ist für Kinder die Reihe „Das geheime Leben der Tiere“, die im Löwe Verlag erscheint. In dieser widmen sich verschiedene Autorinnen und Autoren jeweils einem bestimmten Tier und lassen dieses Abenteuer erleben und schaffen es dabei, unterhaltsam und spannend Wissen zu vermitteln. Die Kinderbuchreihe, die der Verlag ab einem Alter von acht Jahren empfiehlt, entführt uns mit diesen Band durch das Leben des Weißen Hais Riko, mit dem wir die Weiten der Ozeane durchstreifen, der voller Geheimnisse aufwartet, die entdeckt werden wollen.

Haie als Identifikationsobjekt und einmal nicht als gruseliges Monster, wie diese Tiere in der Popkultur gerne dargestellt werden. In der Kinderliteratur macht man das richtig und so hat die deutsche Schriftstellerin Sabine Giebken eine vielzähnige Figur geschaffen, derer die Zielgruppe gerne folgen wird, üben die wohl mit ältesten Fische unseres Planeten gleichwohl eine gewisse Faszination auf uns aus. Kurzweilig erzählt, erleben wir mit Riko den gesamten Lebenszyklus‘ dieses beeindruckenden Wesens, entlang einer Geschichte, in der weder der Spannungsbogen, noch die Wissensvermittlung zu kurz kommt. Dabei ist schon die Geschichte überhaupt nicht langweilig. Genau so neugierig wie Riko selbst, passiert auch in der Erzählung immer etwas, ohne die junge Zielgruppe in Watte zu packen.

Ja, in dem Buch werden Seelöwen gefressen, Surfbretter attakiert, aber auch die größte Gefahr, der Mensch, eingehend beschrieben, mit seinen Netzen oder dem Abschneiden von Flossen, immer durch die Augen des tierischen Hauptprotagonisten, die dieser, wenn notwendig auch nach innen drehen kann. So lernt man Stück für Stück die Tierart mit den selbigen anders zu betrachten. Andere handlungstreibende Figuren spielen zwar für einzelne Szenen, die in kurzweiligen und kompakten Kapiteln verpackt sind, eine Rolle, bleiben sonst jedoch nebensächlich.

Wer hier der Böse ist, wird im Verlauf der Geschichte klar. Riko indes ist es nicht, stattdessen bekommen wir ein Bild des stromlinienförmigen Tieres mit Ecken und Kanten, all seinen Gewohnheiten. Der Autorin merkt man die Liebe zu Haien an oder zumindest eine umfassende Rechercheleistung, die sich hoffentlich auch bei den anderen Schreibenden durch die Bücher der Reihe zieht. Nicht nur die Waagschale zwischen Unterhaltung und Information ist hier gelungen, auch eine Gefühlsebene aufzubauen, funktioniert durch den gesamten Handlungsstrang des kleinen Romans, der ein Hailight (!) im Kinderzimmer sein dürfte.

Die Perspektive allein bleibt beim tierischen Hauptprotagonisten, der Stück für Stück mehr Lebenserfahrung und damit auch mehr Wissen ansammelt, über seine Umgebung, seine Umwelt und sich selbst. Auch eine Charakterwerdung kann man hier beobachten, gleichzeitig gelingt es so den jungen Leserinnen und Lesern behutsam Umweltbewusstsein zu vermitteln. Dabei gibt es keine unglaublichen Wendungen. Sabine Giebken hat sich bei ihrer Geschichte streng an die biologischen Gegebenheiten gehalten, die eine oder andere Überraschung in der Handlung, zumindest für die Zielgruppe, dürfte genau die richtige Mischung aus Spannungs- und ruhigen Momenten ausmachen.

Da diese feine kompakte Erzählung dem Lebenszyklus der Haie folgt, sollte spätestens im letzten Drittel klar sein, wohin die Reise geht. So wird die Erzählung eine Spur düsterer und trauriger, aber dies ist eben auch die Realität, die hier nicht ausgespart wird. Alles in allem schafft die Autorin die Welt des Weißen Hais würdig, unterhaltsam und spannend, fast filmisch zu beschreiben. Besonders spannend wird es, wenn Riko seine Sinne nutzt, um sich zu orientieren oder Beute nachzujagen.

Dieser Kinderroman ist perfekt für die Zielgruppe geeignet, so man diese ernst nimmt, man sollte jedoch auch seine jungen Leserinnen und Leser einschätzen, wie viel diesen schon zuzutrauen ist. Die Tonalität der Autorin, die perfekt durch die wunderbaren Illustrationen von Tobias Gooldschalt unterstützt wird, sollte es dem jedoch leicht machen, einen Zugang zu finden. Die Erzählung selbst bietet im Anschluss und während des Lesens, ob selbst oder vorgelesen, sicher Anknüpfungspunkte, sich mit Themen Meere, Haie, Umwelt und die Einflussnahme durch den Menschen zu beschäftigen. Ein kleiner Wissensteil am Ende des Buches, sowie weiterführende Hinweise zum Thema bieten da sicher genug Raum und Möglichkeiten.

Ich kann mit guten Gewissen sagen, dass mir diese Art von Büchern als Kind sehr gefallen hätte, zudem sich die Reihe nicht mehr nur auf Tiere des Meeres beschränkt, sondern auch Lebewesen anderer Naturräume begleitet. Für die Kombination aus Wissen und Unterhaltung gibt es von mir eine klare Leseempfehlung. Nicht nur als Fan dieser majestätischen Tiere.

Autorin:
Sabine Giebken wurde 1979 in München geboren und ist eine deutsche Schriftstellerin. Nach einem Ausflug in die Betriebswirtschaft und anderen beruflichen Irrwegen machte sie ihr Hobby vom Schreiben endlich zum Beruf. In der Reihe „Das geheime Leben der Tiere“ sind von ihr zwei Bücher erschienen.

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Joe R. Lansdale: Moon Lake

Inhalt:
Daniel Russell war erst 13 Jahre alt, als sein Vater versuchte, sich selbst und seinen Sohn zu töten. Er fuhr von einer Brücke direkt in die Fluten des Moon Lake in Ost-Texas. Doch wie durch ein Wunder überlebte der Junge. Jahre später, nachdem er neue Informationen über sein Kindheitstrauma erhalten hat, kehrt Daniel zurück an den Moon Lake. Er hofft, das Auto und die Knochen seines Vaters bergen zu können. Aber tief verborgen unter dem glitzernden Wasser des Sees entdeckt er etwas Schockierendes, das mit einer Reihe ungewöhnlicher Morde in Verbindung steht … (Klappentext)

Rezension:
Beinahe kingest erzählt der gefeierte Schriftsteller Joe R. Lansdale von menschlichen Abgründen, Seilschaften und düsteren Geheimnissen, die während einer Dürre zu Tage treten und Ereignisse in Gang setzen, die immer mehr Erschreckendes offenbaren. Der Roman „Moon Lake“ entführt uns mit seiner Mischung aus Krimi- und Thrillerelementen, Mystery und Horror in die amerikanische Provinz und beschreibt rasant Verbindungen, die ihre Figuren in einem ewigen Würgegriff zu halten scheinen. Die Fesseln einmal losgelöst, scheint es kein Zurück mehr zu geben. Eine Spirale, die unweigerlich in den Abgrund führen muss.

Der leichtgängig zu lesende und mit zunehmender Seitenzahl immer rasanter werdende Roman, erzählt einerseits dicht, andererseits ausschweifend die dichte Abfolge von Ereignissen, die einmal in Gang gesetzt, den Staub von den Straßen des Provinzortes gehörig aufwirbeln wird, an deren Ende nichts mehr so sein wird, wie es mal war. Der Anfang der Handlung führt uns dabei in die Vergangenheit des Hauptprotagonisten, aus dessen Sicht die gesamte Geschichte erzählt wird. Daniel ist es, zunächst Teenager, später Journalist und angehender Schriftsteller, letzteres nur eine der Gemeinsamkeiten mit vielen Protagonisten vom amerikanischen Autoren Stephen King, der zunächst als Teenager dem Tod entkommen kann, um später im Erwachsenenalter an den Ort seiner Kindheit zurückkehren, nicht ahnend, welchen Ereignissen er auf den Grund gehen werden wird. Sprichwörtlich.

Gleich zu Beginn werden wenige Hauptfiguren eingeführt, auf die sich auch im späteren Verlauf die Erzählung konzentriert. Verschrobene und dem Ort Gesichter gebende Personen, die die Dynamik der Handlung bestimmen. Mit Daniel, aus dessen Sicht wir die gesamte Geschichte erleben, gibt es einen starken Protagonisten, auch Ronnie ist als Haupt-Nebencharakter durchweg positiv gestaltet, während andere Figuren Ecken und Kanten, durchaus mehrere Seiten und Interessen besitzen.

Dieses Spiel, welche da von die Oberhand gewinnen, ist einer der Handlungstreiber. Ohne dass es allzu absurd wirkt, hat man den Eindruck einer sich immer rasanter drehenden Spirale beizuwohnen, die man sowohl als Politthriller oder auch Gesellschaftskritik, Krimi lesen kann. So viel steckt tatsächlich zwischen den Zeilen, ohne dass man sich in der Interpretätion anstrengen muss. Popcornkino in Buchform ist das, aber vom feinsten, welches mit dem Hauptprotagonisten hoffen und bangen lässt. Das gelingt durch ausführliche Beschreibungen von Gefühlswelten, deren Änderungen gleichsam Aggregatszustände sehr detailliert geschildert werden. Ein anderes Plus sind die fast filmhaften Darstellungen der Handlungsorte, die so einem recht plastisch vor Augen geführt werden.

Der Leser deckt gemeinsam mit den Protagonisten die Geheimnisse der dunklen Vergangenheit und Gegenwart des Ortes auf, ist immer auf den gleichen Stand. Ungläubige Wendungen, irre Ausreißer wird man vergeblich suchen. Hier ist es dem Autoren gelungen, den richtigen Spagat zwischen stets weilender unterschwelliger Spannung und einem gewissen Logik zu bewahren, die zumindest gut vorstellbar ist. Figuren geben dabei der Handlung, sowie der Hauptfigur, immer weitere Impulse, die man gemeinsam mit ihr gerne verfolgt. Gefühlt steht dabei der Umfang der Erzählung im krassen Gegensatz zur tatsächlichen Anzahl von Worten. man hat eher den Eindruck eine dicht gepackte Novelle, tatsächlich mit einigen entsprechenden Elementen, vor sich zu haben, als einen ausschweifenden Mystery- und Politthriller.

Wer einerseits Erzählungen gerne liest, die sich auf wenige Handlungsorte konzentrieren, andererseits eine gute Mischung aus Krimi-, Thrillerelementen mit einem Hauch von Horror bereithalten, wird mit „Moon Lake“ sicher auf seine Kosten kommen. Es ist ein Roman, der gut unterhält, gar nicht den Anspruch hat, hohe Literatur zu sein. Für das, was Lansdale hiermit wollte, ist dies eine spannende Geschichte, die man Zeile für Zeile gerne verfolgt. Das ist doch auch ganz schön.

Autor:
Joe R. Lansdale ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er wurde 1951 in Texas geboren und schreibt Kriminal-, Horror und Science-Fiction-, sowie historische Romane, die bereits mehrfach Grundlage verschiedener Filme wurden. Lansdale erhielt für seine Arbeiten zahlreiche Auszeichnungen, wie den British Fantasy Award oder den American Horror Awarf, mehrfach auch den Bram Stoker Award. Seine Werke wurden bereits in mehreren Sprachen übersetzt.

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Anna Mendel/Jasmin Sturm: Verstehst du mich?

Inhalt:
„Verstehst du mich?“, ist ein Kartenset mit Begleitheft, bestehend aus 10 Motiven, unter anderem zu den Themen Essen, Erschöpfung und Schlaf. Die Ilustrationen werden auf der Kartenrückseite von kurzen Erzählungen begleitet, die sich zum Vorlesen und Innehalten eignen. Kinder und Erwachsene können aus diesen Texten lernen, wie unterschiedlich autistische Verhaltensweisen aussehen und wie vor allem Erwachsene in Familien damit umgehen können.

Im Begleitheft wird entlang der Erzählungen Hintergrundwissen zum Thema Autismus angeboten. Darin zeigen die Autorinnen zugewandte Handlungsstrategien, mit denen der Alltag für alle Familienmitglieder liebevoll und ausgeglichener gelebt werden kann. Ihr Fokus liegt dabei auf dem respektvollen Umgang mit autistischen Kindern. Dabei berücksichtigen sie auch immer die Perspektiven der Eltern und Bezugspersonen und deren Kapazitäten. (Klappentext)

Rezension:
Es gibt Bücher, die sind keine Bücher, sondern so viel mehr als das, vielmehr Material, welches besonderen Themen eine besondere Form verleiht. Denn, wenn wir Autismus sowohl als Behinderung als auch Behilflichkeit verstehen wollen, erfordert dies von der Mehrheit, die wir als neurotypisch bezeichnen, besondere Aufmerksamkeit, aber auch einen geeigneten Zugang zur Thematik, um mit Verständnis eionander zu begegnen. Und das auf der Ebene schon, etwa zwischen neurotypischen Geschwisterkindern und Autist:innen oder Erziehenden und Eltern, die plötzlich mit Kindern konfrontiert sind, deren Wahrnehmung der Welt eine ganz andere ist, als sie die allgemeine Erwartungshaltung vorgibt.

Wie damit umgehen? Wie gemeinsam Alltagssituationen verstehen und meistern, die so plötzlich zur Herausforderung werden? Die Autorin Anna Mendel und Illustratorin Jasmin Sturm haben eine Kombination von verschiedenen Formen gefunden, die sich einer komplexen Thematik niedrigschwellig und wohlgesinnt annähert, sich sowohl in der direkten Arbeit mit Kindern einsetzen lässt als auch Pädagogen und Eltern einen Zugang verschafft, der den Blick ungemein erweitert.

In einer kleinen metallenen Box finden sich ein Set von Karten, auf denen Themen grafisch aufbereitet werden, die einem mit autistischen Kindern in der einen oder anderen Form begegnen. Die im Vergleich zu neurotypischen Kindern besondere Form des Spielens etwa oder der Wahrnehmung von Essen anhand von Konsistenzen oder deren Zusammenstellung, Gefühlsregulation, die Wahrnehmung von Geräuschen wird einerseits bildlich dargestellt, auf der Rückseite anhand einer kleinen zugewandten Geschichte verdeutlicht.

Hauptfiguren dieser Geschichte, sind zwei Kindergartenkinder und Erwachsene, wie deren Eltern oder der Betreuer im Kindergarten, um auch diese Seiten aufzuzeigen. Mit Bild und Geschichte lässt sich so pädagogisch mit Kindern arbeiten, etwa in den man anhand der Bilder miteinander spricht oder eben über die kleinen Erzählungen, die liebevoll gestaltet sind. Das passende und erklärende Material findet sich dann im Begleitheft, in dem die fachliche Erläuterung zwar nicht zu kurz kommt, dennoch kompakt und verständlich gehalten wird. Diese Kombination ist es, die das Material sowohl im heimischen Kinderzimmer wertvoll macht, wie auch in der pädagogischen Arbeit im Kindergartenalltag und so übergreifend funktioniert.

Der Umgang mit dieser doch auf den ersten Blick so komplexen Thematik, die Zugewandtheit der beiden Autorinnen, ist hier besonders hervorzuheben, ebenso die behutsame Bearbeitung des Verlags, der den Texten und Material zudem mit einem Senstiv reading begegnet ist. So gelingt die Präsentation und Erarbeitung des Themenbereichs Autismus und Kinder in einer modernen Form, von der ich mir wünsche, dass sie in möglichst vielen Bereichen zum Einsatz kommt.

Leseprobe: Verstehst du mich?

Autorin und Illustratorin:
Anna Mendel ist Germanistin udn Anglistin, seit 2021 als freiberufliche Autorin, Speakerin und im Sensitivity Reading tätig. Ihre Schwerpunkte sind die verschiedenen Formen der Diskriminierung, Rassismus, Ableismus und Körperdiskriminierung. Neben eigenen Büchern hat sie bereits in verschiedenen Anthologien veröffentlicht. Als Expertin gibt sie in Konferenzen und Workshops Impulse zu Gleichberechtigung, Inklusion und Empowerment alltagsorientiert und niederschwellig Impulse.

Jasmin Sturm ist Illustratorin und Autorin und arbeitet seit 2021 unter ihrem Kunstlabel „Farbflausen“ Mit ihrer Arbeeit positioniert sie sich für eine gerechtere und vielfältige Gesellschaft, Inklusion und Sichtbarkeit. Neben Bücher, sowohl für Text als auch Illustrationen, arbeitet sie an Printaufträgen und bestreitet Lesungen und Vorträge. Ihr Anliegen ist es, verschiedene Lebensrealitäten mitzudenken und Identifikationsangebote zu schaffen.

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Wolfram Christ: Die merkwürdigen Abenteuer der Marina Casanova aus Köln

Inhalt:
Erinnern Sie sich an den Juwelenraub im Grünen Gewölbe in Dresden? Obwohl sich viele Fachleute damals sicher waren, eine solche Tollheit könne nur die Auftragsarbeit eines Sammlers gewesen sein, in dessen Tresor die unbezahlbaren Prezisen nun für immer verloren seien, tauchte ein Teil davon später wieder auf. Was war schiefgegangen?
Die Antwort, die der Autor in diesem Kriminalroman liefert, ist so einfach wie verblüffend: Die Gangster hatten nicht mit Marina Casanova aus Köln gerechnet!

Rückblende. Im Frühsommer 2020 gerät die junge Kunsthistorikerin in Italien zufällig in den Strudel jener Geschehnisse. Anders als in Deutschland vermutet, sind internationale Interessen im Spiel. Und selbst die ‚Ndrangheta will ein Wörtchen bei der Sache mitreden. Marina erkennt schnell, dass sie eingreifen muss. Wie ihre Lieblingsromanheldin, Agatha Christies Miss Marple, braucht sie dafür aber keine Waffe. Charme und gesunder Menschenverstand genügen vollkommen. Und gute Freunde.

Rezension:
Neben all den gutgehenden internationalen Bestsellern scheinen die Werke hießiger Autorinnen und Autoren dieses Genres schon von Seiten der Verlage so viel Staub wie lokalen Mief mitzubringen, dass man sich unweigerlich fragt, wer diese Bücher überhaupt liest. Nur manchmal taucht unter ihnen ein kleiner Diamant auf, ein winziges Juwel. Nichts für die Karnevalistin Marina Casanova, die gerade mit ihrem Studium der Kunstgeschichte fertig ist, nach Italien reist, lieber einen Roman von Agatha Christie schmökert. Und sich unverhofft, in einem rasanten Spiel der Kräfte wiederfindet, in einer Zeit, als der Rest der Welt noch stillsteht. Lebendigwerden hat dieses wechselhafte Abenteuer der Schriftsteller Wolfram Christ. Nicht nur dessen Hauptprotagonistin weiß zu überraschen.

Der Krimanlroman „Die merkwürdigen Abenteuer der Marina Casanova aus Köln“ nimmt eine echte Nachricht als Grundlage, die zumindest die Welt der Künste seinerzeit erschütterte, würzt sie mit lokalem Hintergrundrauschen aus einer vollkommen anderen Ecke Deutschlands und verfrachtet das ganze in den Süden Europas. Ein Kriminalfall, der Grenzen sprengt, Feingefühl, Spürsinn und Reaktionsvermögen benötigt, wie geschaffen für die Hauptfigur dieser temporeichen Erzählung. Wolfram Christ zeigt sich dabei als Meister der Verknappung. Die Geschichte kommt nach wenigen Seiten Einführung schnell ins rollen. Die filmisch erzählten Kapitel sind kompakt gehalten. Trotzdem ist genug Raum vorhanden, der Entwicklung der Figuren nachzuspüren und sie lieben zu lernen.

Allen voran die titelgebende Hauptprotagonistin selbst, die mit einer Mischung aus Straßenschleue, viel Witz und Humor ihre Intuition zu nutzen und umzusetzen weiß, folgt man gerne. Schnell entstehen Bilder der Dynamik des Zwischenmenschlichen im Kopf, vor allem im Perspektivwechsel zwischen den Figuren, die allesamt ihre Ecken und Kanten aufweißen, deren Sichtweisen wir nach und nach immer detaillierter nachspüren. Keine ist das wirkliche Böse. Jede Figur hat für sein Handeln nachvollziehbare Gründe. Das Spiel mit den verschiedenen Schattierungen von Grautönen gelingt hier sehr gut, auch wenn eine Schippe weniger dem ganzen auch gut getan hätte. Tatsächlich mag man das eine oder andere Mal zusammenzucken, wenn sich noch eine weitere Ebene der Verflechtungen auftut. Krimineller Sammler, italienische Unterwelt, Korruption, alter und Öladel. Darf es auch etwas weniger sein, möchte man fragen.

Allein, es funktioniert sehr gut und hält das rasante Tempo aufrecht, welches den Handlungsstrang über die gesamte Länge trägt. Und das ist etwas, was man wohl kaum bei diesem dann doch für das Genre heute sperrigen Titel erwartet, der sich mehr an die alten Klassiker der Begründer der Kriminallieratur orientiert. Die Figuren, die Gegensätze sind nachvollziehbar, zudem aus wechselhafter Perspektive erzählt wird. Brüche sind nicht ganz so brachial vorhanden, wie man das zuweilen von Bestellerware kennt, der Autor hat es allerdings auch gekonnt vermieden, Gott sei Dank möchte man meinen, sich in Fallstricke zu verheddern oder unglasubwürdigen Wendungen zu begeben, die dann kaum aufzulösen sind. Es ist sehr wohltuend, dass es das in diesem Genre heute auch noch gibt. Nur das Hintergrundrauschen eines weltumspannenden Virus‘ hätte es nun wirklich, wirklich nicht gebraucht. Auch so das Getue um die Kölner Karnevalisten, ein Element, was man sich zumindest im Sinne der Geschichte erklären kann. Trotzdem, warum tut man so etwas?

Wolfram Christs Text merkt man dessen Fernseh- und Theatererfahrung an. Der Roman wirkt wie ein Kammerspiel, der seine Bühne Italien auszunutzen weiß. Schauplätze und Orte werden sehr plastisch beschrieben, auch die Figuren kann man sich gut vor dem inneren Auge vorstellen. Ein Krimi, der mehr kann als die Folge einer Vorabendserie und es durchaus mit den Klassikern aufnehmen kann, die einem unweigerlich als Vorbild in den Sinn kommen. Fast ohne Blut und ohne Beschreibung von allzu viel Gewalt um der Gewalt willen. Das geht also heute auch.

Für alle, die wieder einen Krimi lesen möchten, der sich mehr in Richtung der klassischen Vorbilder des Genres orientiert, ist diese Erzählung zu empfehlen, in der mehr die Ermittlung und die Beweggründe der handelnden Personen im Vordergrund stehen, als die sonst zu oft praktizierte Effekthascherei, auch wenn manches Element mir zumindest Augenrollen und genervtes Aufstöhnen verursacht hat. Zumindest innerlich. Der Weg zum Ziel ist hier das interssante, wenn gleich die Auflösung nicht von vorneherein feststeht. Der lose Bezug zu den wahren Geschehnissen um die Ereignisse im Grünen Gewölbe wurde hier zudem gelungen eingearbeitet. Wer für solch eine Mischung zu haben ist, dem sei dieses Werk empfohlen.

Autor:
Wolfram Christ ist ein deutscher Autor, Regisseur, Produzent und Verleger, wurde 1963 geboren Gelernt hat er beim Fernsehen der DDR und arbeitete nach der Wende für verschiedene Sender freiberuflich im Bereich Film- und Fernsehproduktion. Seit 2012 wirkt er zunehmend für die Theaterbühne. 2011 bis 2012 baute er die „comediantes“ zu einem Tournee-Theater um, ein Verlag für Hörbücher und Hörspiele folgte, der später um Lyrik und Belletristik erweitert wurde.

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Kosmos – Wunderwelt des Universums

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, zumindest im übertragenen Sinne. Über Teile von Europa verdunkelt sich am 12. August 2026 für einige Minuten der Himmel. Besonders in Nordspanien hat man gute Chancen, dann eine totale Sonnenfinsternis zu betrachten, auch über Island führt der schmale Bogen von 300 km Breite, in der man sie betrachten kann. In Mitteleuropa dagegen können wir zumindest eine Teilfinsternis betrachten. Im Süden Deutschlands ist die Verdunklung größer als im Norden. Je nach Standort werden bis zu 90 Prozent der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt. Trotzdem bitte diese nur mit entsprechend geeigneter Schutzbrille betrachten.

Am Morgen des gleichen Tages kann man zudem eine Planetenparade beobachten, zudem stehen die Chanccen in den Nächten davor und danach gut, Sternschnuppen zu sehen. Als wäre das nicht genug, zeigt sich am 28. August auch noch eine partielle Mondfinsternis am Himmel. Gründe genug, euch dieses wunderbare Buch vorzustellen und einmal von meinem üblichen Schema etwas abzuweichen.

Wobei natürlich nicht nur deswegen dieses Werk empfehlenswert ist.

Buch-Trailer „Kosmos – Wunderwelt des Universums“, von Dorling Kindersley.

Klappentext:
So haben Sie den Weltraum noch nie gesehen!

Reisen Sie vom Asteroidengürtel bis hin zu Weltraumsonden, von der ISS bis zur Oort’schen Wolke, vom Urknall bis zu den Sternenbildern und fast allem dazwischen. Topaktuelle Bilder von Sonden, Teleskopen und Rovern zeigen jeden noch so entfernten Winkel des Universums. (Inhalt lt. Verlag)

Titel: Kosmos – Wunderwelt des Universums
Autor:innenkollektiv: Abigail Beall/Philip Eales (u. a.)
Dorling Kindesley Verlag
Rezensionsexemplar/Sachbuch
Hardcover (Überformat – Coffee Table)
Seiten: 416 (über 760 Fotos und Illustrationen)
ISBN: 978-3-8310-5085-7
Übersetzung: Stephan Matthiesen

Top Notch Literatur im Sachbuchbereich, die zugleich Coffee Table Books präsentieren, das sind die Bücher des Dorling Kindersley Verlags, die Laien auf höchstem Niveau von Geschichte bis zu Naturwissenschaften die unterschiedlichsten Themen präsentieren, immer auf den neuesten Stand der Forschung und von hoher Qualität. Das ist mit der visuellen Enzyklopädie „Kosmos – Wunderwelt des Universums“ nicht anders, präsentiert dort doch ein Team von Fachautorinnen und -autoren die unendlichen Weiten des Weltalls in allen Aspekten, für Laien verständlich aufbereitet, ergänzt um zahlreiches Fotomaterial und fast ebenso vielen grafischen Abbildungen.

Das Buch im Überformat erlaubt uns zunächst einen Blick ins Universum, bevor mehrere große Themenkomplexe eröffnet werden. Unsere Sonne, gefolgt von den inneren Planeten des Sonnensystems ist der erste große Abschnitt, die Gasriesen und äußeren Grenzen des Sonnensystems bilden den zweiten riesigen Themenkomplex, den es zu betrachten gilt. Es folgt unsere Galaxie, die Milchstraße, sowie ein ausführlicher Blick darüber hinaus. zudem wird dem Urknall, den Schöpfungsmythen und der Suche nach Leben ein Abschnitt gewidmet. Leicht verdaubare Texte füllen die Seiten, deren zuweilen großformatige Bilder zum Betrachten und Verweilen einladen. Deren Kompaktheit erlaubt das Nutzen als Nachschlagewerk, ebenso sich darin zu verlieren. Zudem wird die Technik der Weltraumforschung verständlich erklärt, wie auch die Ereignisse und Vorkommnisse um uns herum beleuchtet werden.

Der Blick in den Sternenhimmel, er lohnt sich und das spürt man bei diesem Sachbuch, welches zum Staunen einlädt. Jedwede Thematik wird verständlich beleuchtet. Die Verfassenden holen mit diesem Werk Laien wie Menschen mit Vorkenntnissen gleichermaßen ab. Es mag vielleicht langweilig sein, wenn ich jedem dieser DK-Enzyklopädien mehr als fünf Sterne, die Höchstwertung, geben mag, aber es ist einfach so, dass der Verlag es immer wieder schafft, so auch hier, Maßstäbe zu setzen, die man dann von moderner wissensvermittelnder Literatur erwarten darf. Auch dieses Buch schlägt nämlich den Bogen zwischen den Zielgruppen. Für jüngere Leser im Schulalter ebenso geeignet, wie für Erwachsene. Wann schafft das diese Form von Literatur schon einmal?

Ein Blick ins Buch und man ist verliebt. Und mehr kann man doch nicht verlangen, oder?

Autoren:
Dieses Buch wurde von mehreren geschrieben. Hier sind zwei davon.

Abigail Beall ist Redakteurin für ein Wissenschaftsmagazin und arbeitete vorher als freiberufliche Journalistin, spezialisiert auf Wissenschaft und Technologie. Ihre Artikel erschienen in verschiedenen Fachzeitschriften. 2019 veröffentlichte sie ihr Buch „The Art of Urban Astronomy“, auch für DK übernahm sie bereits verschiedene Aufträge. Die studierte Physikerin und Journalistin arbeitete als Reporterin bei Daily Mail Online und berichtete zudem über die britischen und europäischen Stormmärkte, Energie- und Handelspolitik, sowie über Kraftwerksprojekte.

Philip Eales studierte Physik, planetare Geologie und Fernerkundung am University College London. Er schreibt über Astronomie, Geowissenschaften, Klima und leitet ein Unternehmen für Computergrafik, das sich auf die Visualisierung astronomischer sowie geografischer Daten und Phänomene für Kunden wie die Europäische Weltraumorganisation spezialisiert hat.

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S. E. Harmon: Das erste und letzte Abenteuer von Kit Sawyer

Inhalt:
Christopher „Kit“ Sawyer, Historiker und Spross einer legendären Archäologenfamilie, bevorzugt das ruhige Leben am Schreibtisch, ohne Peitsche und Fedora. Doch als er ein altes Relikt entschlüsselt, befreit er unbeabsichtigt eine mächtige Kraft, die nur durch eine Wiedervereinigung mit einem aztekischen Gott gebändigt werden kann. Allerdings weiß niemand außer Kit, wo genau in Mexiko sich dessen Tempel befindet. Also bleibt ihm keine Wahl, und er macht sich auf den Weg.

Doch er reist nicht allein. Auf Wunsch ihres Großvaters wird er von seinem nervigen Ex-Stiefbruder Ethan Stone begleitet, einem erfahrenen Entdecker und Archäologen, der ihr Überleben im Dschungel sichern soll. Und das ist auch bitter nötig, denn sie sind nicht die Einzigen auf der Suche nach dem geheimnisvollen Tempel … (Klappentext)

Rezension:
Zwischen zwei Buchdeckelnm liegt mit „Das erste und letzte Abenteuer von Kit Sawyer“ eine zwischen den Genre schwankende Erzählung vor, die zwischen Abenteuer und Romance hin und her pendelt. Die leichtgängig zu lesende Erzählung aus der Feder der Schriftstellerin S. E. Harmon nimmt sich dabei Anleihen von Indiana Jones und setzt eine an sich trockene Thematik so rasant um, dass man teilweise glaubt, selbst von einem allmächtigen und wütenden aztekischen Gott beobachtet, verfolgt und kontrolliert zu werden.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Kit, der aus einer Archäölogenfamilie stammt, selbst jedoch aufgrund seiner Epilepsie vorwiegend zur Büroarbeit verdammt ist. In dieser Rolle hält er Vorlesung und hat sich auf das Entschlüsseln alter Schriften spezialisiert, wird jedoch von der Fachwelt, wie auch, in seiner Wahrnehmung, von der eigenen Familie als ein Sawyer zweiter Klasse wahrgenommen. Nur die Seele eines aztekischen Gottes sieht eine andere Aufgabe für ihn vor, als diese von einem alten Artefakt auf ihn überspringt und sich nach und nach seiner Natur bemächtigt. Ein immer rasanteres und in vielerlei Hinsicht turbolenter werdendes Abenteuer beginnt.

Dies ist der Auftakt dieser Geschichte, deren Dynamik hauptsächlich aus dem Spiel dieses Hauptcharakters und seines Gegenübers besteht, gewürzt mit Elementen klassischer Actionfilme und einer gehörigen Portion Romance, die sich aus einer stiefgeschwisterlichen Rivalität heraus entwickelt. Die Erzählung beschränkt sich auf einen Zeitraum unbestimmter Tage bis hin zu wenigen Wochen, wobei Raum und Zeit zuweilen im Dickicht des mittelamerikanischen Dschungels zu verschwimmen scheinen. Handlungstreibend ist dabei nicht nur die anbahnende Beziehung der Hauptfiguren, nein, auch die deutlich gestalteten Antagonisten, die zu Beginn sich im Hintergrund halten, geben das immer schnellere Tempo vor.

Dieses tut der Erzählung gut, die ansonsten nur aus der Perspektive der titelgebenden Hauptfigur erzählt wird, den wir auf Schritt und Tritt und ja, leider auch beim deutlich ausformulierten Liebesspiel begleiten. Dieses Element ist unnötig und macht zuweilen den Eindruck eines Platzhalters, hätte viel subtiler gestaltet werden und damit vielleicht sogar eine noch tiefere Wirkung entfalten können. Wer Trash mag oder Seifenopern, wird daran jedoch sicher seine Freude haben.

Die Szenen lassen sich jedoch gut quer lesen, trotzdem hat man hinterher das Gefühl, eine zusammenhängende und dann durchaus gut unterhaltende Geschichte gehabt zu haben, ohne etwas wichtiges zu verpassen. Was jedoch sehr angenehm hervorsticht, ist der Sarkasmus, die Ironie, die der Hauptfigur ihre Ecken und Kanten gibt. Dieser Humor trägt einiges zur Unterhaltsamkeit der Erzählung bei. Die Antagonisten sind als klassische Bösewichte gestaltet, aber auch Kits Konterpart Ethan hat eher eine graue anstatt weiße Weste. Das sticht ebenfalls positiv hervor.

Die Verletzlichkeit der Hauptfigur und die so temporeich erzählte Abenteuergeschichte sind die wesentlichen und tragenden Elemente der Handlung, die zuweilen ins Fantastische abgleitet. Der Roman ist für den Kopf klassisches Popcornkino, mit den man am Ende gut unterhalten werden kann, wenn man von einzelnen Schwachstellen absieht, die entstanden sind, da doch einzelne Szenen mehr Ausgestaltung bedarft hätten. Größere Logikfehler und Irrungen in den Wendungen habe ich nicht entdeckt. Das Tattoo ist, wie auch in der Realität ein Extra, was es nicht gebraucht hätte. Hier liegt die Entscheidung wohl bei den Lesenden, ob man dies jetzt als unnötigen Kitsch abtut oder als ein ausschmückendes Element betrachtet, für die Erzählung wohlgemerkt.

Die Haupthandlung ist geringfügig eingerahmt, so dass sich daraus auch die Struktur des Romans ergibt, der ansonsten in rasant erzählten Kapitel gegliedert ist. Dabei muss man eines der Autorin lassen. Sie weiß filmisch Personen wie Orte zu erzählen. Man kann sich das alles auf den großen Fernsehbildschirm oder der Kinoleinwand vorstellen. Das gilt für Schauplätze ebenso wie für jeden einzelnen Schweißtropfen aus Dschungel- oder anderen Gründen. Andererseits soll die Geschichte hauptsächlich unterhalten. Großartig nachwirken tut sie nicht. Trotzdem ist es durchaus so, dass man danach bereit ist, gerne weitere Abenteuer mit Kit zu erleben. Bitte ohne Liebesszenen. Bisher ist diese Erzählung allerdings ein Einzelband, was auch etwas für sich hat.

Wer eine solche Genre-Mischung mag, wobei ich jetzt keine ähnliche kenne, wird mit S. E. Harmons „Das erste und letzte Abenteuer von Kit Sawyer“ auf seine Kosten kommen. Andere werden wohl Abstriche machen müssen, und dennoch eine überwiegend gute Zeit mit diesem Roman haben, zudem es wenige Geschichten innerhalb dieses dann doch interessanten Settings geben dürfte. Abenteur, Trash, Liebe und ganz viel Drama hat die Autorin hier miteinander verbunden. Je nachdem, wer welches dieser Elemente wie hoch gewichtet, für jene ist dies mit Sicherheit eine empfehlenswerte Lektüre. Nur bitte dabei keinen aztekischen Gott erwecken, ja?

Autorin:
S. E. Harmons stürmische Liebe zum Schreiben dauert bereits ein Leben lang an. Der Weg zu einem guten Buch ist jedoch steinig, weshalb sie ihre Leidenschaft schon mehrere Male aufgeben wollte. Letztendlich hat die Muse sie jedoch immer wieder an den Schreibtisch zurückgeholt. S. E. Harmon lebt seit ihrer Geburt in Florida, hat einen Bachelor of Arts und einen Master in Fine Arts. Früher hat sie ihre Zeit mit Bewerbungsunterlagen für Bildungszuschüsse verbracht. Inzwischen schreibt und liest sie in jeder freien Minute Liebesromane. Als Betaleser hat sie derzeit ihren neugierigen American Eskimo Dog auserkoren, der sich bereitwillig ihre Romane vorlesen lässt, vorausgesetzt, die Bezahlung in Form von Hundekeksen stimmt.

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Joslan F. Keller: Seefahrts-Mythen

Inhalt:
Wie konnte ein Schiff, das vor Bermuda dem Meer überlassen wurde, 5000 Kilometer entfernt an den Klippen Irlands zerschellen?

Warum löste ein mysteriöser Tanker, der in australischen Gewässern wie aus dem Nichts auftauchte, eine politische Kontroverse aus?

Und was steckt hinter der Legende, dass an der Küste Englands alle 50 Jahre aufgrund eines Liebesdramas ein geheimnisvoller Geisterschoner auftaucht?

Joslan F. Keller geht 30 spannenden Legenden und Mythen der Seefahrt auf den Grund – vom Fliegenden Holländer über die berühmte Mary Celeste bis hin zu jüngeren Geisterschiffen wie der Joan Seng. Dabei liefert er nicht nur Antworten auf rätselhafte Fragen, sondern lässt Raum für Fantasie und Geheimnisvolles. (Klappentext)

Rezension:
Rau und unerbittlich können die Weiten der Ozeane sein, die zum Großteil immer noch unerforscht sind. Doch einiges, was man noch vor wenigen Jahren als Seemannsgarn abgetan hat, ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen. Riesenkalmare von über 13 Meter Länge hat man schon gefunden, auch die Existenz von Monsterwellen mehrerer Meter Höhe nachgewiesen. Dagegen spuken Legenden von Geisterschiffen, mysteriösen Wracks und Schiffen, die auf hoher See ohne Besatzung daher treiben vornehmlich in Form von Geschichten in unseren Köpfen. Die meisten dieser Erzählungen besitzen zumindest einen wahren Kern. Der TV-Moderator und Historiker Joslan F. Keller versucht in seinem Buch „Seefahrtsmythen“ diesen auf den Grund zu gehen.

Verschiedene Legenden von Geisterschiffen beflügeln seit Generationen rund um den Globus unsere Phantasie und sind inzwischen ein Bestandteil der Populärkultur, Inspiration zahlreicher Romane und Filme. Doch hier liegt die Herausforderung. Wo beginnt und endet der wahre Kern einer dem zu Grunde liegenden Geschichte, wo haben wir im Laufe der Geschichte Dinge hinzugefügt, ergänzt und ausgeschmückt. Diese Waagschale zu halten, gelingt in diesem Genre nicht oft. Meist entscheiden sich Autorinnen und Autoren für die eine oder andere Seite, sei es, da sie selbst daran glauben (wollen) oder dies vollständig als Scharlatanerie abtun und nicht einmal dem wahren Kern Beachtung schenken, so sich der ergründen lässt.

Wie ordnet man folglich solch eine Kuriositätensammlung ein, die Sachbuch sein soll, gleichzeitig jedoch Kuriositätensammlung sein soll und bei der sich der Autor merklich nicht entscheiden konnte, entweder rein sachlich zu bleiben und seine Begeisterung für die Thematik zurückzustecken oder vollends aufzugehen in die Welt des Spekulativen? Der Autor schwankt in Folge dessen immer im Schreib- und Erzählstil, der mal trocken und informativ, mal erzählerisch daherkommt.

Auch die kompakte Form, die fast eine Art ausführlicheres Nachschlagewerk entstanden lassen hat, trägt da zur Verwirrung bei. Etwa vier Seiten, nur manchmal mehr, wird je einer Legende eingeräumt, so dass eine Auswahl von dreißig Stück zwischen den Buchdeckeln Platz finden. Erzählt wird dabei von klassischen Geisterschiffen, herumtreibende Wracks als eigene Kategorie, verschwundenen Besatzungen und noch einmal herausgestellt, besonders grausame Entdeckungen. Wenigstens diese dramaturgische Steigerung wurde hier bis zum Ende durchgehalten.

Hätte man sich in der sachlichen Ausgestaltung für die eine oder andere Seite vollends entschieden, Legenden ausführlicher erzählt und nicht nur angeschnitten, hätte diese Zusammenstellung eine ganz andere Wirkung. So bleibt das Gefühl, etwas halbgares in den Händen zu halten, was nur als Einführung in die Thematik taugt. Und das ist zumindest ein wenig schade.

Autor:
Joslan F. Keller wurde 1966 geboren und ist ein französischer Autor und Moderator, der regelmäßig in Frankreichs führenden Web-TV-Sender für Mysterien und Unerklärliches auftritt.

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Tomi Ungerer: Die Gedanken sind frei

Inhalt:
Tomi Ungerer ist neun Jahre alt, als deutsche Truppen 1940 das Elsass besetzen. Deutsch wird die offizielle Sprache, Französisch bei Androhung strenger Strafen verboten, aus Jean-Thomas, von allen Tomi genannt, wird Hans. Tomi Ungerer erzählt vom Alltagsleben unter der Nazibesatzung, vom Krieg, von der liberation – und von den ganz normalen Streichen, Freuden und Erlebnissen eines heranwachsenden Jungen. Dank unzähliger Zeichnungen aus Tomi Ungerers Kindheit und seinem grenzenlosem Humor ein ungemein lebendiges Erinnerungsbuch. (Inhalt lt. Verlag)

Rezension:
Witz und Humor, das Talent sich auszudrücken und die Dinge aus einem besonderen Blickwinkel heraus zu betrachten, ist dem späteren Zeichner und Kinderbuchillustratoren Tomi Ungerer schon in seiner Kindheit gegeben, die dieser in turbolenten Zeiten durchlebt hat. Als die Deutschen während des Zweiten Weltkrieges den Elsass besetzten, wächst er in einem Vorort Colmars auf, als behütetes Nesthäkchen und ohne Vater. So betrachtet er die Widrigkeiten des Krieges, die in den Alltag der Familie hineinragen. Seine Erinnerungen an diese Zeit sind nun postum neu aufgelegt wurden.

Nicht nur Tagebuch, autobiografische Erzählung oder, wie man es sich vielleicht bei einem Illustratoren denken würde, eine Ansammlung von Zeichnungen und Karikaturen ist diese hier vorliegende Sammlung, sondern eine Wundertüte, die uns in eine wundersame Zeit eintauchen lässt, in der der Alltag im schlechtesten Sinne auf den Kopf gestellt war. Tomi Ungerer hat hier tief gegraben in seine Erinnerungskiste und Fotos sowie Kinderzeichnungen zusammengestellt, die den Humor des späteren Künstlers und vor allem dessen Stil schon früh zu Tage treten lassen. Aus den zahlreichen Puzzleteilen ergibt sich ein buntes Portrait aus Familienalltag, Einschränkungen durch Krieg und Besatzung, aber auch kindlichen Übermut, der nicht nur einen Schädelbruch zur Folge hatte.

Die Tonalität der Sprache ist geprägt von Leichtigkeit, vom ungetrübten Blick des Kindes, der alles als ein großes Abenteuer sieht, doch durchaus den Ernst der Lage erkennt, wenn er in der Rückschau betrachtet, wie die Mutter etwa sich einerseits wie eine Löwin schützend vor die Kinder stellt, andererseits aber auch er selbst Widerstand leistet, und sei es nur mit Karikaturen von Lehrern im Schulheft und Tagebuch. Tomi Ungerer ist es hier gelungen, das Leben unter einem Besatzungsregime nachzuzeichnen, welches sich natürlich von dem im Osten, aber auch dem im geteilten Frankreich selbst unterschied, ein Aspekt der bis dato viel zu wenig Beachtung fand.

In der Aufreihung der Bücher gegen das Vergessen ist dieses hier schon aufgrund der Zusammenführung des Materials durch Autor und Zeichner in Personalunion etwas besonderes, zudem es die Wurzeln des späteren Künstlers aufzeigt. Dabei sind es nicht nur die pointierten Zeichnungen, sondern auch punktuelle Formulierungen, Beschreibungen von Personen, die den kindlichen Scharfsinn vor Augen führen. Auch nicht die große Politik, die nur in sofern eine Rolle spielt, sofern sie in den Alltag des Heranwachsenden hinein greift. Das besondere liegt in der Beschreibung alltäglicher Dinge in einer nicht alltäglichen Situation, die nur mit Vorsicht, Angst und in seinem Falle mit einer großen Portion Witz, auch Galgenhumors, zu ertragen gewesen ist.

Für alle, die staubtrockene Ausführungen scheuen, Zugang zu diesen sehr besonderen Künstler finden möchten und die Zeit der Besatzung des Elsass durch das NS-Regime nachspüren wollen, ist dieses wichtige Buch eine geeignete Lektüre.

Website: tomiungerer.com

Tomi Ungerer Museum: Hier klicken.

Autor:
Jean-Thomas „Tomi“ Ungerer wurde 1931 in Straßburg geboren und war ein französischer Grafiker, Schrifsteller und Illustrator von Büchern für Kinder und Erwachsene. Erste Zeichnungen veröffentlichte er im Simplicissimus, er arbeitete in New York, kurzzeitig in Hamburg und lebte eine Zeit lang in Irland auf einer Farm, bevor es ihn wieder in den Elsass zurückzog. Er starb 2019 in Cork, Irland.

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Melissa Müller: Mit dir steht die Welt nicht still

Inhalt:
London, 1951. Für Nanette ist es eine Zufallsbegegnung, für John ist es Liebe auf den ersten Blick. Doch John steht kurz vor seiner Auswanderung nach Brasilien. Ginge es nach ihm, würde er seinen Plan ändern, aber Nanette, die mit Anne Frank befreundet war und als Einzige ihrer Familie Bergen-Belsen überlebt hat, fürchtet sich vor dem Glück. Als sie einander Brief um Brief schreiben, gesteht sie sich langsam ein, dass sie mit ihm zurück ins Leben finden kann. Ein Buch über die rettende Kraft der Liebe. (Klappentext)

Rezension:
Entlang von Briefen erzählt Melissa Müller in ihrem neuen literarischen Sachbuch „Mit dir steht die Welt nicht still“ vom Überleben und Leben mit traumatischen Erfahrungshorizont, der Kraft der Liebe, sowie eine Geschichte von Hoffnung und Lebensmut. Dieser zuweilen schermütig melancholiche Bericht ist zugleich ein Buch der Erinnerung, eines gegen das Vergessen.

Briefe sind es gewesen, und eine Recherche über Anne Frank, deren Tagebuch nach dem Holocaust weltberühmt wurde, die die Autorin auf die Geschichte zweier Menschen brachte. Hintergrundinformationen, um ein umfassendes Bild zu bekommen, der Zeit und der Jugendlichen, die mit ihrer Familie in einem Amsterdamer Hinterhaus versteckt, schließlich verraten wurde und schließlich Bergen-Belsen nicht überleben konnte, wollte die Autorin recherchieren und stieß dabei auf Nanette Blitz‘ und John Konigs Geschichte, die ebenso aufschlussreich und beachtenswert ist. Nun liegt sie vor, in dieser wunderbar dokumentarisch-biografischen Aufarbeitung und macht jene zu Hauptfiguren, die das Puzzle um Anne Frank mit hin vervollständigen.

Entlang des Schriftwechsels durch die Zeit werden die zwei Leben erzählt, die zunächst scheu einander umkreisen, bald jedoch trotz der Distanz eines Ozeans zwischen ihnen nicht mehr ohne einander können. Immer klarer werden die beiden Charaktere, je mehr man über ihre Zeit und den Gegebenheiten erfährt. Vor allem Nanette traut den aufkeimenden Glück zu Beginn nicht genug, waren die zuvor erlebten Jahre doch zu unzurechenbar und forderten vor allem von ihrer Familie Opfer. Wie kann man sich da noch positive Gefühle erlauben, wenn man gerade so dem Unheil entkommen ist und so viel Tod und Unmenschlichkeit erlebt hat? John ist es, der sie behutsam ins Leben zurückfinden lässt. Alleine, die Narben bleiben für immer.

Dies steht schnell fest, je mehr man in diese literarische Reportage hineinfindet, die aufgrund der Zeitsprünge zunächst nur schwer zugänglich bleibt. Die österreichische Journalistin und Autorin Melissa Müller stellt die Frage nach dem Überwinden, nach dem Überleben eines Traumas. Was macht das mit uns, mit unserer Umgebung, mit der Familie? Wie gehen wir damit um? Diesen philosophischen Überbau zu durchdringen, fällt nicht leicht und erzeugt streckenweise Längen. Verbindungslinien zwischen den einzelnen Briefen zu halten, ist im Angesicht der Sprünge schwer. Trotzdem ist durchaus zu spüren, in welche Richtung die Autorin wollte und wohin sie die Beschäftigung mit zweier Leben letztendlich führte. Diese Differenz ist spannend zu erfahren, aber für Außenstehende nur schwer zu begreifen.

So lässt mich die Lektüre etwas ratlos zurück. Vielleicht hilft Lebenserfahrung, Abstand, vielleicht das fragmentarische Lesen einzelner Abschnitte, in denen sich Briefe und Verbindungslinien abwechselnd lesen, die Lektüre besser zu durchdringen. Eventuell war meine Erwartungshaltung auch eine andere, die in diesem Moment einfach nicht gepasst hat. Dennoch verdient auch diese dokumentarische Erzählung einen Platz im Regal der Bücher gegen das Vergessen. Der Stil alleine sollte nicht daran hindern, dies zu lesen.

Autorin:
Melissa Müller wurde 1967 in Wien geboren und ist eine österreichische Journalistin und Schriftstellerin. Zunächst studierte sie Germanistik und BWL, danach arbeitete sie für verschiedene Wirtschaftsredaktionen in Wien und München. Ihr Buch „Das Mädhcen Anne Frank wurde 1998 veröffentlicht und vielfach übersetzt. Danach wirkte Müller an einem Dokumentarfilm über Anne Frank mit. Bei Recherchen zu einem Folgeprojekt lernte sie Traudl Junge kennen, mit der sie sprach. Aus den gesprächen entstand ein Interview und eine Biografie. 2008 veröffentlichte sie ein Buch über jüdische Künstler und den Umgang mit ihnen, nach 1945.

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Jonas Templin: Kalte Daten. Warmer Puls.

In der sterilen Perfektion des Jahres 2083 ist die Menschheit längst verstummt.

Ohne Arbeit, ohne Herausforderungen und in absoluter physischer Distanz hat sich die Welt in eine kollektive, digitale Simulation zurückgezogen. Während die Menschheit durch globale Unfruchtbarkeit ohnehin ihrem Ende entgegensieht, leisten die Haushälterin Frieda und ihr Arbeitgeber Henning Klarsen privaten Widerstand. Es ist eine stille Revolution der Gestrigkeit, eine Rückbesinnung auf das Analoge, auf echte Berührungen und die Schönheit des Realen.

Doch als unerklärliche äußere Einflüsse auf sie einwirken, gerät ihr Lebensstil in Gefahr. Frieda und Henning müssen ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Sie sind gezwungen, ihr sicheres Refugium zu verlassen und sich einer unbekannten Wirklichkeit stellen, die fantastischer ist, als sie es zu träumen gewagt hätten. (Klappentext)

Titel: Kalte Daten. Warmer Puls. – Das Ende vom Ende
Autor: Jonas Templin
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 145
ISBN: ‎ 979-8-253755471
Format: Taschenbuch

Leider ist auch meine Lesezeit begrenzt und der bereits existierende Bücherstapel viel zu groß. Dennoch möchte ich gerne kleinen Autorinnen und Autoren Sichtbarkeit für ihre Werke verschaffen. Auch dafür gibt es die Kategorie Empfehlung, in der Bücher vorgestellt werden sollen, von denen ich glaube, dass sie den einen oder anderen gefallen könnten. Natürlich entsprechend, ohne Wertung.

Hier findet ihr eine Leseprobe.

Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere diesen Roman von Jonas Templin eine Chance gibt und Zeit findet, die Geschichte von Frieda und Henning zu verfolgen.

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BLUESKY