Eva Szepesi/Stephanie Lunkewitz: Ich war Eva Diamant

Inhalt:
Eva Diamant ist zwölf Jahre alt, als die Sowjetarmee sie im Januar 1945 in Auschwitz befreit. Zusammen mit der Illustratorin Stephanie Lunkewitz und begleitet von ausdrucksstarken Bildern erzählt sie in diesem Buch ihre bewegende Überlebensgeschichte: Es ist die Geschichte einer behüteten Kindheit in einer bürgerlich-jüdischen Familie in Budapest, von ersten Ausgrenzungen in der Schulzeit, ihrer Flucht aus Ungarn, dem Verlust von Vater, Mutter und Bruder und schließlich der Deportation ins Konzentrationslager Auschwitz. Es ist aber auch eine Geschichte der Liebe, der Freundschaft und des Beistands. (Klappentext)
Rezension:
Die jüngere Leserschaft ernst zu nehmen, ohne zu verschrecken, die Wahrheit und auch Schattenseiten unserer Geschichte zu zeigen, ohne bis zum äußersten zu gehen, dieser Aufgabe widmet sich der Ariella-Verlag mit einem sorgsam kuratierten Kinder- und Jugendbuchprogramm, welches einerseits die jüdische Kultur zugänglich macht, andererseits erste Berührungspunkte zu den Ereignissen der Vergangenheit bietet. Ein gelungener Baustein hierfür, ein Buch gegen das Vergessen, ist mit der Visualisierung der Kindheitsgeschichte Eva Szepesis gelungen, welcher sich die Illustratorin Stephanie Lunkewitz angenommen hat.
In kompakter Form, dafür mit großflächigen Illustrationen wird die Geschichte des Mädchens erzählt, welches in einer liebevollen Umgebung aufwächst und plötzlich erleben muss, wie sie, andere jüdische Kinder und ihre Familie aus dem gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt werden. In der Klasse muss sie sich plötzlich nach hinten setzen, der Vater kommt in ein Arbeitslager, der gelbe Stern macht die Ausgrenzung aus dem Alltag noch leichter. So beginnt ein Spießrutenlauf, dessen unheilvolle Ereignisse in immer dichterer Taktung hintereinander folgen. Doch immer wieder gibt es Menschen, die sich ihrer annehmen. Irgendwann schließlich schwört sie sich, am Leben zu bleiben.
Dies ist die Grundtonalität des Kinderbuches, während dessen erster Seiten man sich fragt, wie überhaupt ein Kinderbuch zu dieser Thematik, die zweifelsohne wichtig ist, gelingen kann? Der Umgang damit ist schon in der Erwachsenenliteratur ein Drahtseilakt und mit Fingerspitzengefühl zu führen, aber Szepesi und Lunkewitz zeigen, wie dies funktioniert. Es ist eine Geschichte des Überlebens. Zwar wird der Tod erwähnt, aber weder gezeigt noch detailliert geschildert.
So hat man hier vermieden, zu verschrecken, gibt dennoch Anknüpfungspunkte für ältere Kinder und Jugendliche zur Diskussion. So ist die Altersempfehlung hier vom Verlag ab 12 Jahre veranschlagt, einem Alter etwa, in denen man schon genug durch Medien, vielleicht Diskussionen zu Hause oder Ausgrenzung im Klassenzimmer mitbekommen hat. Ein Glossar rundet dieses feine Büchlein zudem ab, da doch einige Begriffe gerade für diese Altersgruppe neu sein dürften.
Ein ernstes Kinderbuch zur Einführung in die Thematik, welches auch gut Ältere lesen können, ziehen einen doch die kräftigen Illustrationen tief in die Geschichte hinein, ist „Ich war Eva Diamant“, dem man ganz viele Lesende wünschen darf.
Frankfurter Buchmesse, 2025:
Autorin:
Eva Szepesi wurde 1932 in Budapest geboren und ist eine Holocaust-Überlebende, Als Zeitzeugin berichtet sie in Vorträgen und Büchern über ihr Leben. Als Kind wächst sie in Budapest auf und erlebt erste Ausgrenzungen und wie ihr Vater zum Arbeitsdienst gezwungen wird. Im Alter von elf Jahren flüchtet sie mit ihrer Tante in die Slowakei, das Versteck wird jedoch verraten, so dass sie zunächst nach Sered, schließlich nach Auschwitz deportiert wird. Dem Todesmärschen entgang sie, da sie sich zwischen Leichen versteckt hielt und wurde am 27. Januar 1945 bei der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit.
Nach einer Zeit im Lazarett kehrte sie nach Budapest zurück, wo sie bei Onkel und Tante aufwuchs und eine Lehre zur Schneiderin absolvierte. Später zog sie mit ihrem Mann nach Frankfurt/Main. Fünfzig Jahre sprach sie nicht über ihre Erlebnisse, erst nach der Veröffentlichung des Films Schindlers Liste, und einen Besuch der Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz sprach sie vor Jugendlichen über ihre Zeit im Konzentrationslager. Fortan engagierte sie sich als Zeitzeugin. 2011 veröffentlichte sie ihre Autobiografie, Jahre später erlangte sie Klarheit über das Schicksal ihrer Mutter und ihres Bruders, die in Auschwitz ums Leben kamen. 2017 erhielt sie die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt/Main, zudem das Bundesverdienstkreuz am Bande. 2024 sprach sie anlässlich des Holocaust-Gedenktages im Deutschen Bundestag.
Illustratorin:
Stephanie Lunkewitz wurde 1977 in Köthen, Sachsen-Anhalt, geboren und ist eine deutsche Illustratorin und Autorin. Ihre Großeltern waren Mitglieder des Verbandes Bildender Künstler der DDR und illustrierten mehr als 50 Kinderbücher. Stephanie Lunkewitz studierte nach ihrem Diplom in Design Kunstgeschichte in Frankfurt/Main, schließlich in den USA Book Writing and Business in Los Angeles, Kalifornien, wo sie mit ihrer Familie lebt.
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