Gary Victor: Eine Violine für Adrien

Inhalt:
Port-au-Prince zu Beginn der Siebzigerjahre: Vor dem Hintergrund der Turbulenzen zur Zeit des Machtwechsels von Papa Doc zu Baby Doc träumt der vierzehnjährige Adrien davon, ein Violinenvirtuose zu werden. Voraussetzung dafür, dass er den Unterricht fortsetzen kann, ist allerdings eine eigene Geie. Da seine Eltern nicht die Mittel dafür haben, sucht er sich das Geld selbst zu beschaffen. Ein Offizier der Geheimpolizei macht ihn ein verlockendes Angebot. Adrien ahnt nicht, worauf er sich einlässt …

In seiner unverwechselbaren Handschrift erzählt Gary Victor davon, wie die Diktatur die unschuldigsten Träume und nobelsten Ziele pervertiert. Eine tragische Coming-of-age-Geschichte und zugleich ein Sittengemälde Haitis zu Duvalier-Zeit. (Klappentext)

Rezension:
Welche Grenzen bist du bereit zu überschreiten, wenn es darum geht, deinen Traum zu verfolgen, zudem in einem System, welches auch den Jüngsten ihre Unschuld nimmt? Diese Frage schwelt zentral in der Novelle Gary Victors, in der in dieser vorliegenden Coming-of-age-Geschichte dem Hauptprotagonisten die ganze Brutalität und Korruption seines Heimatlandes entgegenschlägt und ihn zwingen wird, eine Entscheidung zu fällen.

Erzählt wird die Geschichte eines haitischen Jungen, der in Zeiten großer Unsicherheiten seines Landes aufwächst und sich nichts sehnlicher wünscht, als genau so ein weit angesehener Geigenspieler zu werden, wie sein Lehrer, der zwar als politisch unsicher gilt, aber dennoch als Aushängeschild sein Land im Ausland präsentieren darf. Doch dafür braucht es eine eigene Geige. Wie anstellen, in einem Land, in dem die Zukunft ungewiss, die Wirtschaft schwach ist und auch die Eltern kaum Möglichkeiten haben, Adriens Traum Wirklichkeit werden zu lassen? Die einzige Möglichkeit für den Jugendlichen besteht darin, sich auf ein gefährliches Spiel einzulassen, so dass ein Tanz mit den Teufel gen Abgrund beginnt.

Eine Coming-of-age-Geschichte vor dem Hintergrund eines Landes und seiner Gesellschaft im Wandel ist ein häufiges Szenario. Alleine das Setting liest man hierzulande nicht allzu oft. Mit den Augen eines Vierzehnjährigen erleben wir das Leben in der Hauptstadt Haitis, welches sich damals schon instabil zeigte und dennoch in den Fängen einer brutalen Diktatur befand, die sich unerbittlich mit ihren Gegnern zeigt. Mit wenigen Worten öffnet uns der Schriftsteller ein Portrait dieser Zeit und zeigt das Leben der Menschen und die Auswirkungen ihrer Entscheidungen.

Adrien lernt Willkür und Korruption der Mächtigen ebenso kennen, zumal in unmittelbarer Nähe, ebenso wie die Opportunisten, die versuchen das Spiel zu spielen, um zu überleben, und dennoch, dann jedoch brutal in deren Fänge geraten. Auf der anderen Seite verdeckte Opposition und der Kampf ums Überleben, in einer Welt, in der wenige alles haben und viele so gut wie nichts. Wie ordnet man sich ein, wenn der Blick des Kindes verloren geht und man diese Entscheidung treffen muss?

Vor dieser Frage im Hintergrund ist es Gary Victor gelungen, eine tragende Hauptfigur mit Ecken und Kanten zu schaffen, die einerseits unschuldig genug ist, anderseits sich ihre Schrammen holt, um die Spannweite eines Systems zu verdeutlichen, welches den Menschen zu viel abverlangt. Zugleich erfahren wir Adrien als Spielball verschiedener Interessen, die bis zum Ende hin teilweise nur angedeutet und zwischen den Zeilen sichtbar werden. Sehr kompakt gehalten ist die Erzählung, die dennoch ein unglaubliches Tempo vorweisen kann, in der Schlag um Schlag ein Ereignis dem nächsten folgt. Andere Figuren sind da Handlungstreibende. Gegenüber jeder muss sich der junge Protagonist positionieren und eine Entscheidung treffen, um sein Ziel zu erreichen. Alleine die Summe derer raubt einem während des Lesens den Atem.

Nicht nur der Hauptprotagonist, aus dessen Sicht diese Geschichte weniger Tage, seinen Weg, auch seine (Alp-)Träume erfahren, ist voller Gegensätze, auch nur kurz erwähnte Figuren sind so vielschichtig gezeichnet, dass ihre Beweggründe trotz dem sie mehrheitlich Antagonisten sind, in diesem Setting nachvollziehbar scheinen. Alleine Adrien, dessen Unschuld in mehrfacher Hinsicht korrumpiert werden wird, behält den gesamten Handlungsstrang alle Sympathien bei sich.

Eine schriftstellerische Meisterleistung ist die Verbindung zwischen Wirklichkeit und Traumsequenzen, die nahtlos ineinander zu übergehen scheinen. Die Darstellung der haitischen Unterwelt erinnert dabei fast an phantastische Elemente gewisser Stephen King Geschichten, nur dass sich in ihr das ganze Elend und alles schlechte der Oberwelt sammelt, vor allem vor dem Hintergrund des politischen Systems, welches der Autor sehr prägnant darstellt. Genau diese Momente sind es, die einem innehalten und zugleich atemlos werden lassen. Alleine die Auflösung der letzten Wendung passt da nicht ganz hinein. Das Ende wirkt unrund, ist zumindest nicht so ausgestaltet, wie der Rest dieser sonst sehr feinen Erzählung.

Gary Victor beschreibt ansonsten das Leben jener Zeit, in der Hauptstadt Haitis, in allen Farben. Jeder Handlungsort entsteht beinahe filmisch vor dem inneren Auge und innerhalb derer kommt jede einzelne Szene einem Kammerspiel gleich. Diese wechseln so schnell, dass man nicht umhin kommt, mit zu fiebern. Die einzelnen Kapitel ergeben zusammen ein sehr schlüssiges Bild, welches nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Einige Szenen wirken dabei wie Nadelstiche, direkt ins Herz.

Wer etwas mehr über das Leben Haitis, in dessen dunkelster Zeit, erfahren möchte, aber auch, was Macht mit den Menschen macht, die nichts anderes als deren Spielball sind und einmal in die Literatur dieses auch ansonsten fast nur mit negativen Schlagzeilen besetzten Landes werfen möchten, dem ist „Eine Violine für Adrien“ nur zu empfehlen, für die man weder Vorkenntnisse zu Violinen noch zur Geschichte des Inselstaates haben muss.

Autor:
Gary Victor wurde 1958 in Port-au-Prince geboren und ist ein haitianischer Schriftsteller. In seiner Heimat arbeitet er für Theater, Film, Rundfunk und Fernsehen. Im deutschsprachigen Raum ist er vor allem für seine Kriminalromane um Inspektor Azemar bekannt. Seine Schilderungen gesellschaftlicher Missstände stellen ihn in die Tradition der Sozialromane des 19. Jahrhunderts. Er wurde für seine Werke mehrfach ausgezeichnet. unter anderem mit dem Prix RFO. Zudem war er mehrfach auf der Krimibestenliste und der Litprom-Bestenliste Weltempfänger platziert.

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Achim Kinter: Ist das dein Ernst, Charlotte?

Inhalt:
Sie sind ein unzertrennliches Paar: der Erzähler Florian Hans und Charlotte, sein mittelgroßer schwarzer Hund. Gemeinsam gründen sie eine Detektei, spüren einem geheimnisvollen Krokodilzahn und einem Mord nach, sie beobachten die Menschen um sich herum und lassen die Leser an ihren Gesprächen und Überlegungen zu den großen Lebensfragen, zu Gut und Böse und ihrer Vorliebe für Kierkegaard teilhaben. – Eine hinreißende Erzählung, voller fantastischer Begebenheiten und gewürzt mit einer Prise allerfeinsten Humors.

Es gibt immer etwas Gutes in der Welt, meint der Erzähler – dieses Buch gehört auf jeden Fall dazu. (Inhalt lt. Verlag)

Rezension:
Eine Wundertüte voller Überraschungen steckt in manchen Romanen, besonders wenn sie von der Beziehung zwischen Haustieren und ihren Menschen erzählen. Diese meinen oft, sie zu besitzen, doch in Wahrheit sind die Tiere es, die auswählen und uns anschließend die Welt erklären. Das werden wohl fast alle Tierfreunde so unterschreiben können. Florian Hans und Charlotte jedenfalls können ein Lied davon bellen. Und so lassen uns die beiden Hauptprotagonisten an einer kuriosen Detektivgeschichte teilhaben, die zugleich eine philosophische Betrachtung scheint, vermischt mit Science Fiction zwischen vier Pfoten und zwei Beinen.

Träger dieser ungewöhnlichen Genrekombination, in die man sich zunächst Stück für Stück einfinden muss, um sie zu genießen, sind eben die zwei genannten Hauptprotagonisten, die zu einem Mord gerufen werden, bei dem mehr dahinter zu stecken scheint, als es sich zunächst darstellt. Auf Spurensuche werfen sich beide die Bälle zu und kommen aufgrund ihrer verschiedener Art der Wahrnehmung ihrer Umgebung der Rätsels Lösung immer näher, sowie der Beziehung zwischen sich selbst. Charlotte ist ja kein einfacher Hund. Immerzu spricht sie mit ihrem menschlichen Part und offenbart so mit jeder Seite mehr von sich selbst. Und Hans erklärt seinerseits die Sicht der Menschen auf ihre Umgebung. Gespräche, die der Umgebung verborgen bleiben sollen.

Diese Dialoge sind gespickt voller philosophischer Gedanken. Über das menschliche Handeln auf Erden, etwa wenn es um Gewalt und Kriege geht, aber auch die Unterschiede, die uns trotz allem miteinander verbinden und sogar zusammen stärker werden lassen. Gerade diese Parts sind die Stärken von Achim Kinters Roman, dessen Covermotiv die Künstlerin Martina Altschäfer so wunderbar lebendig gezeichnet hat. Aber auch die Betrachtungen zur Mensch-Tier-Beziehungen tragen einen Großteil der Erzählung, in der der phantastische Anteil damit leider etwas in den Hintergrund gerät. Dennoch kann diese Erzählung von jedem anders gelesen werden.

Der Balanceakt gelingt erst mit zunehmender Seitenzahl, wirkt zu Beginn etwas sperrig. Erst wenn man sich auf die Charaktere eingelassen hat, die der Autor so lebendig erzählen kann, wie er die Umgebung filmisch beschreibt, wird man Zugang dazu finden, dann jedoch macht die Dynamik dieser beiden ungleichen Protagonisten durchaus Spaß. Diese haben ihre Ecken und Kanten und ganz ehrlich, jeder von uns hat doch schon mal „Dialoge“ mit seinem Haustier geführt, oder? Nebencharaktere bringen zusätzlich Tempo und die eine oder andere Wendung in en Roman mit hinein, der zu weilen wie ein Kammerspiel wirkt.

Alleine die Perspektive eines Hundes ist schon ungewöhnlich. Charlotte folgt man gerne, durch die sonst schlüssige Erzählung, der an mancher Stelle ein Spannungsmoment mehr zu wünschen wäre. Aber wer weiß, vielleicht bekommen wir den noch? Ein zweiter Band aus der Feder von Achim Kinter ist bereits erhältlich. Der wird sicherlich genau so faszinieren, auch wenn man leider kein Tierbesitzer ist. Dem Autoren merkt man seine Liebe zu Tieren allgemein, zu Hunden im Besonderen in jeder Zeile an. Schön, dass er aber auch einen der Antagonisten vielsichtig zeichnet, so dass man sich all die Charaktere wie auch die Schauplätze wunderbar vor Augen führen kann.

Vielleicht ist die Geschichte an manchen Stellen etwas kitschig. Aber wo, wenn nicht in einer Erzählung mit Haustieren wäre denn Kitsch sonst erlaubt? Hier gehört eine Prise davon unbedingt dazu und so ist ein lieber kleiner Roman für zwischendurch entstanden, den man seine kleine Schwächen gerne verzeiht. Für Haustierbesitzende und Tierfreunde sollte das in jedem Fall gelten, wenn man keine Schwierigkeiten hat, Tiere bis zu einem gewissen Grade zu vermenschlichen. Dieser Balanceakt gelingt gut.

Nur, eine Frage am Ende bleibt: Wo führen Hans und Charlotte die Spuren als nächstes hin?

Autor:
Dr. Achim Kinter wurde 1959 in Oberhausen geboren. Er lebt mit Frau, Hunden und Hühnern in der Normandie. Er studierte Literatur und Philosophie und war danach viele Jahre lang Journalist, rezensierte Neuerscheinungen und schrieb Porträts von Schriftstellern. Als seine Töchter geboren wurden, begann er für Unternehmen zu arbeiten. Geschrieben hat er auch während dieser Zeit, allerdings Fachbücher. »Ist das dein Ernst, Charlotte?« ist Achim Kinters erste Erzählung. Damit hat er seine berufliche Aufgabe, seinen Lesern, Kunden und Kollegen die Welt zu erklären, endlich offiziell in weitaus berufenere Hände, genauer gesagt Pfoten, gelegt.

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Sarah Lorenz: Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken

Inhalt:
„Weißt du, Mascha, was ich schon immer hatte? Einen festen Willen und ganz viel Sehnsucht. Möchte ungern wie Novalis oder so ein Romantiker klingen, wenn ich von Sehnsucht spreche. Heute manifestiert sich meine Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Sicherheit – du ahnst es – in kleinen Häusern, bevorzugt mit Reetdach. Eine Weile führte sie mich in besetzte Häuser, autonome Zentren, versiffte Wohnungen, Notschlafstellen und etliche Betten mir fast unbekannter junger Männer. Sie führte mich von der ersten Liebe zu der, die mich jetzt trägt. Sie ließ mich, die ich stets so dramatisch, traurig und bedürftig war, beinah kaputtgehen an den Lieben dazwischen. Mittlerweile bin ich an einem Punkt im Leben, den zu erreichen ich nicht erwartet hätte.“ (Inhalt lt. Verlag)

Rezension:
Am Anfang ist es ein kleiner Gedichtband, der der Erzählerin Elisa, in die Hände fällt. Die Texte Mascha Kalekos faszinieren sie, ziehen sie in ihren Bann. Von ihr, der Dichterin, die so viele Schicksalsschläge erleiden musste, fühlt sie sich verstanden, tritt in einem inneren Dialog, erzählt von ihrem Leben. Dieser Monolog, unter dem Titel „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“, ist Sarah Lorenz‘ Debütroman.

Voller Traurigkeit ist dieser Text, der feingliedrig in Kapitel unterteilt, das Leben der Protagonistin offenbart. Nein, sie offenbart sich selbst, braucht das imaginäre Gegenüber, um ein Resümee zu ziehen, erzählt am imaginären Kaffeetisch von Schicksalsschlägen und Wendungen. Derer hat sie viele. Praktisch jedes Kapitel hält einen Schlag in die Magengrube bereit. Immer, wenn ein wenig Hoffnung glüht, ist das Unglück nicht weit.

In kurzen und kompakten Abschnitten ist der Monolog gegliedert und erzählt von vergehender Mutterliebe, steter Suche nach Ersatz und den Versuchen, Unabhängigkeit zu erlangen, dabei vom Regen in die Traufe zu geraten. Dabei umreißt die Erzählerin, von der wir nach und nach ein klareres Bild bekommen, ein halbes Leben. Stets sind es die großen Themen, die die Protagonistin bewegen und beinahe philosophische Fragestellungen aufwerfen.

Jedem Kapitel ist ein eindrückliches Gedicht von Kaleko vorangestellt, gibt die Tonalität vor. Der Roman selbst gibt ein langsames Erzähltempo vor, obwohl so viel passiert. Doch wird man förmlich gezwungen, sich auf diese Sätze voller Nadelstiche für die Protagonistin einzulassen oder man überfliegt sie, da die ganze Melancholie und Traurigkeit einem beim Lesen fast ins Trostlose abgleiten lassen.

Sarah Lorenz lässt hier jedoch auch eine unglaublich starke Figur zu Wort kommen, die immer wieder und hier, und dort auch ein klein wenig Kraft findet, sich immer wieder aufzuraffen, weiterzumachen, sich an das zu hängen, was lebenswert scheint. Einerseits fast nüchtern daherkommend, ist das in der darauffolgenden Zeile manchmal schon zu viel des Guten. Für diesem Text muss man sich in der richtigen Lesestimmung befinden. Zugänglich ist der nicht.

Dieses Monologisieren ist zuweilen nervig, ermüdend und lässt die Protagonistin jammernd erscheinen, was über solch langer Strecke einfach anstrengend ist. da hilft es auch nicht, dass sich Gegenwart und Rückblenden, auch auf das Leben von Mascha Kaleko selbst, abwechseln und durchaus eine gewisse Dynamik einbringen. Oder dies zumindest versuchen. Schauplätze werden gut beschrieben, sehr viele enervierende Wortwiederholungen inklusive.

Als Reminiszenz an eine große Dichterin, deren Texte so scheint es, zugänglicher sind, zumindest für mich, funktioniert dieser Roman durchaus. Das Gesamtpaket hat jedoch nicht die wohl von der Autorin gewünschte Wirkung bei mir erbracht. Vielleicht aber bei euch?

Autorin:
Sarah Lorenz wurde 1984 in Eckernförde geboren und ist eine deutsche Autorin und Kolumnistin. Sie ist gelernte Buchhändlerin und studierte Soziale Arbeit. Für die taz schrieb sie die Kolumne PMS-Ultras. „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“, ist ihr Debütroman.

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Alan Gratz/Syd Fini: Vor uns das Meer – Die Graphic Novel

Inhalt:
Drei verschiedene Kinder. Ein gemeinsames Schicksal: Die Flucht.

Josef ist ein jüdischer Junge, der in den 1930er Jahren aus Deutschland fliehen muss. Seine Familie und er gehen an Bord der St. Louis, das Schiff, welches sie in eine neue Welt bringen soll

Isabel ist ein kubanisches Mädchen, welches sich 1994 mit ihrer Familie angesichts der Unruhen und Aufstände auf einen Boot auf den Weg macht, in der Hoffnung, in den USA Sicherheit zu finden.

Mahmoud ist ein syrischer Junge, dessen Heimat 2015 von Gewalt und Zerstörung heimgesucht wird. Seine Familie und er begeben sich auf eine lange und gefährliche Reise nach Europa.

Erschütternde Reisen. Unvorstellbare Gefahren und die Hoffnung auf morgen. Und eine überraschende Wendung, die alle drei Geschichten miteinander verbindet. (Inhalt lt. Verlag)

Rezension:
Tatsächliche Geschehnisse erzählen die spannendsten Geschichten, zumal wenn sie sich thematisch miteinander verbinden lassen. So stand zurecht das Jugendbuch „Vor uns das Meer“ von Alan Gratz wochenlang nach Erscheinen auf den Bestsellerlisten. Jetzt hat dieses wunderbare und eindrückliche Werk eine Adaption als Graphic Novel erfahren, die aufgrund ihrer Aufmachung eigenständig behandelt werden muss.

Erzählt wird die Geschichte dreier Jugendlicher, die in verschiedenen Jahrzehnten zu Hause sind und eben diese Heimat aufgrund von Krieg, Terror und Verfolgung verlassen müssen. Das bedeutet nicht nur, Vertrautes in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft zurückzulassen, sondern auch ein Weg voller Gefahren und Entscheidungen, die das Ende der Kindheit markieren. Das ist es, was oft genug unterschlagen wird, wenn über Flüchtlinge berichtet wird. Die Grausamkeit der Endgültigkeit, die jeden Meter pflastert, den diese Menschen zurücklegen, wird so selten gesehen. Davon erzählt der Jugendbuchautor Alan Gratz und schafft es in seiner Geschichte sehr eindrucksvoll, dies lebendig vor Augen zu führen und seine Charaktere darzustellen und drei Schicksale miteinander zu verbinden.

Das funktioniert in Romanform schon sehr gut, basieren doch alle drei Geschichten auf realen Personen, auch nimmt der Autor Bezug auf tatsächlich verbürgtes, wenn es etwa um die Irrfahrt der St. Louis geht oder den Ereignissen im Jahr 2015. Eine Szene, im Jugendroman wie auch hier in der Graphic Novel ist zwar etwas over the top, in letzterer aber etwas besser umgesetzt. Und nun die Erzählung dieser wichtigen Thematik in grafischer Form. Hier ist dem Künstler Syd Fini ein wahres Meisterwerk gelungen.

Immer wieder wechseln wir zwischen den Geschichten der Kinder hin und her und halten uns damit getreu an die Buchvorlage. Klare Linien und kräftige Farben kennzeichnen die unterschiedlich großen Panels, die konzentriert die Schlüsselmomente der Geschichte zeigen, ohne etwas dabei zu verlieren. Schnell zieht man die Verbindung zwischen den drei Schicksalen, was zur DNA von „Vor uns das Meer“ gehört und einem nicht unberührt lassen kann. Hier tut vielleicht die Graphic Novel noch mehr als der Roman selbst. Die einzelnen Panels wirken dabei vergleichsweise düster, am Ende werden se zusammengeführt. Zudem geben Autor und Zeichner einen Überblick über die tatsächlichen Geschehnisse.

Diese Graphic Novel schafft eine noch festere Verbindung zu seiner Leserschaft und zeigt, wie sich die Schicksale einzelner über Jahrzehnte hinweg überkreuzen können, ohne das Leid dieser Menschen weichzuspülen oder der Thematik nicht gerecht zu werden. Da alles auf reale Geschichten beruht, gibt es keine überraschenden Wendungen, zumindest wenn man sich ein wenig mit Geschichte auskennt, doch gerade für Jugendliche, um sie mit der Thematik vertraut zu machen, ist diese Form der Aufbereitung sowohl nahbar als auch spannend erzählt. Auch gelingt es Syd Fini Rückblenden zeichnerisch gut einzubinden.

Diese Form des Erzählens hat etwas sehr filmisches und hilft, sich das alles vorzustellen. Vom Original geht dabei nichts verloren. Wer also nicht den Jugendroman zur Hand nehmen möchte, dem sei diese Graphic Novel unbedingt ans Herz gelehnt. Diese wird mitten ins Herz treffen und vielleicht einen neuen Zugang zu einer sehr schwer zu händelnden Thematik verschaffen. Und mehr kann man da nicht verlangen.

Autoren:
Alan Gratz wurde 1972 in Tennessee geboren und ist ein US-amerikanischer Autor im Kinder- und Jugendbuchbereich. Er studierte Kreatives Schreiben und arbeitete als Englischlehrer, bevor er seine ersten Werke veröffentlichte. 2024 wurde ein Werk von ihm in Schulbibliotheken verboten, welches sich mit dem Verbot bestimmter Bücher in den USA befasst. Seine Erzählung „Vor uns das Meer“ hingegen, konnte mehrere nationale und internationale Literaturpreise gewinnen. Zu diesem Werk werden in Deutschland Unterrichtsmaterialien angeboten, zudem wurden darüber mehrere wissenschaftliche Artikel verfasst.

Neben seinen Jugendbüchern schrieb er mehrere Artikel für Zeitungen und Zeitschriften, Radiowerbespots und Episoden für verschiedene Fernsehserien, sowie Theaterstücke.

Syd Fini ist ein iranischer Künstler, der während des Iran-Irak-Krieges geboren wurde und als Animationsfilmregisseur, Illustrator und Comiczeichner arbeitet. Er lebt in Brooklyn, New York.

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Susanne Kaiser: Obalski 1 – Riot Girl

Inhalt:
Als eine Gruppierung junger Frauen Deutschland mit Aktionen erschüttert, wird LKA-Ermittlerin Obalski ins Münchner Jugendamt eingeschleust. Sie soll heimlich Informationen über die Bewegung, ihre Methoden und Ziele beschaffen. Obalski scheint perfekt geeignet für diesen Auftrag, denn sie hat gelernt, Menschen und ihre Verhaltensweisen zu lesen.

Schon bald wird der emphatischen Forensikerin klar: Bei diesem Fall geht es um weit mehr als protestierende Teenager – es geht um brutale Gewalt. Obalski steht vor einem Dilemma: Wer ist hier eigentlich Täter, wer Opfer? Und wie weit sind die Aktivistinnen bereit zu gehen? Da wird eine Leiche aus der Isar geborgen … (Klappentext)

Einordnung in der Reihe:

Susanne Kaiser: Obalski 1 – Riot Girl
Susanne Kaiser: Obalski 2 – Witch Hunt

[Einklappen]

Rezension:
In ihrem temporeichen literarischen Debüt verbindet die Journalistin Susanne Kaiser brandaktuelle gesellschaftliche Debatten zu einem spannenden Kriminalroman. und erzählt diese zumindest teilweise aus einer ganz anderen Perspektive, wie sie sonst selten zu lesen ist. Blockierte Gebäude, brennende Mülltonen, Drohbriefe.

Eine junge Protestbewegung hält Deutschland mit ihren Aktionen in Atem, weshalb das LKA Forensikerin Obalski ins Münchener Jugendamt einschleust. Kommunikationswege soll sie infaltrieren, Aktionen vereiteln, Klarnamen aufdecken, denn die Challenges der Gruppe werden immer extremer und gefährlicher.

Dies ist die Ausgangslage der Erzählung, die aus der Perspektive der Hauptprotagonistin, den ersten Fall einer neuen Krimireihe eröffnet, in deren Mittelpunkt besagte Forensikerin steht. Eigenwillige Einzelgängerin, die noch nicht gänzlich in den Strukturen der Ermittlungsbehörde eingebunden ist, bringt sie frischen Wind in das LKA mit hinein und findet ihren eigenen Zugang zu den Fall, der bald vielseitiger wird, als es die Beamten zunächst ahnen, im negativen Sinne.

Bald stößt das Team um Obalski auf ein Netzwerk aus patriarchalischer Gewalt, Reichsbürgern und die Welt der Reichen, die sich für unantastbar halten, ihre Macht an jungen Frauen auszulassen, was die Hauptfigur in gleich mehrere Dilemma stürzt.

Viele Fäden sind dies, die sich wie Fallstricke der Ermitterlin in den Weg stellen, die sich darauf einen Reim machen und diese zusammenführen muss. Dies wird mit zunehmender Seitenzahl immer temporeicher erzählt. Immer im Wechsel erleben wir die Hauptfigur bei ihrer Undercover-Arbeit in der Rolle der Mitarbeiterin des Jugendamtes einerseits, andererseits die LKA-ermittlerin mit einem Hang zu einer etwas eigenwilligen Herangehensweise.

Die nicht ganz einfache Vergangenheit der Protagonistin ist dabei schon fast das klischeehafteste Element, welches wohl zu jedem Kriminalroman hinzugehört, spielt aber als solche nicht unbedingt eine größere Rolle. Die Ecken und Kanten der Protagonistin sind dabei erkennbar passend zur Handlung des Romans eingewoben und schaffen sowohl Spannungs- als auch ruhige Momente zum Durchatmen, die jedoch im nächsten Augenblick wieder umgestoßen wird.

Susanne Kaiser schafft es mit Gegensätzen, vor allem in Gestalt der verschiedenen Figuren zu spielen, jedoch merkt man diesem Kriminalroman an, dass es das literarische Erstlingswerk der Autorin ist. Immer wieder wirken Dialoge hölzern, Wendungen konstruiert, auch ist die Handlung sicherlich vorhersehbar, ist man in diesem Genre geübt lesend unterwegs.

Trotzdem möchte man unbedingt die nächste, dann noch eine und wieder eine Seite schmökern. Die Journalistin weiß die entsprechenden Hebel für eine trotzdem temporeiche Erzählung zu setzen, ohne skandinavischen Mehltau über die bayerische Hauptstadt zu streuen oder den Spannungsbogen zu überreizen und vor lauter Wendungen nicht mehr aus dem Biergarten herauszufinden, abgesehen davon das auch dieses Klischee hier bedient werden muss.

Neben der fast filmischen Erarbeitung der Figuren und der einzelnen Handlungsschauplätze ist hier besonders der Wechsel in der Ermittlungsarbeit gelungen dargestellt, wie auch das Zusammenführen der Themen in diesem Kriminalroman funktioniert hat. Die Kapitel sind vergleichsweise kompakt gehalten, entlang eines Countdowns, der unbeirrbar auf den Höhepunkt zusteuert.

Ohne zu spoilern, die Auflösung ist noch das unspektakulärste in der Erzählung. Die Autorin sollte sich dabei im Verlauf der weiteren Bände entscheiden, ob sie noch mehr in die psychologische Richtung solcher Werke geht, was zu begrüßen und auch irgendwie passend für die Hauptfigur wäre oder diese noch aktiver werden lässt.

„Riot Girl“ ist trotzdem ein gutes Debüt, welches Lust macht auf mehr, welches zugleich wichtige Debattenthemen, zumal diese die Profession von Susanne Kaiser sind, nicht unterschlägt. Wer sich darauf einlässt und zudem einen Kriminalroman möchte, der nicht alles explizit beschreibt, dem sei diese Lektüre empfohlen. Das Potenzial der Reihe ist jedenfalls erkennbar.

Autorin:
Susanne Kaiser wurde 1980 in Berlin geboren und ist eine deutsche Journalistin, Literaturwissenschaftlerin und Autorin. Sie studierte Romanistik und promovierte 2014 in Berlin über das postkoloniale Nordafrika.

Nach einigen Jahren in der Wissenschaft, die sie u. a. nach Berkeley und nach Roman führten, arbeitet sie als freie Journalistin für Zeitungen, Zeitschriften und als Expertin in Rundfunk und Fernsehen. Sie beschäftigt sich mit den Machtverhältnissen zwischen Männern und Frauen in muslimischen und in westlichen Gesellschaften. 2014 erschien ihr erstes Sachbuch. „Riot Girl“ ist ihr Debüt-Roman.

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Uwe Wittstock: Karl Marx in Algier

Inhalt:
Am 18. Februar 1882 besteigt Karl Marx in Marseille den Dampfer Said und verlässt zum ersten Mal Europa. Den Tod seiner Frau Jenny drei Monate zuvor hat er nicht verwunden. Er ist krank und hofft auf Genesung in Algier. Während er dort die Eindrücke der neuen Kultur auf sich wirken lässt, zieht er unsentimental eine Art Resümee seines Daseins und Wirkens. Uwe Wittstock erzählt lebendig und fesselnd von der letzten großen Reise des großen Denkers und blickt mit ihm zurück auf sein außergewöhnliches Leben. (Klappentext)

Rezension:
Elf Monate vor seinem Tod ließ sich Karl Marx in Algier von Bart und Mähne befreien. Ob wegen des Wetters oder ob er ein Zeichen setzen wollte, ist nicht überliefert. Davor jedoch hatte der einstige sozialistische Untergrundkämpfer elf Monate in Algier verbracht, um zu genesen, was nicht gut gelang, ebenso wenig wie die weitere Arbeit an seinen Werken. Der Schriftsteller und Journalist Uwe Wittstock schaut zurück auf eine Zeit des selbst gewählten politischen Abseits, wie auch auf ein ebenso polarisierendes und bewegtes Leben und Wirken.

Noch vor der Betrachtung des Niedergangs des Kulturbetriebs, kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1930 und der großen Flucht der Literatur, mit der französischen Hafenstadt Marseille als Sammelpunkt, 1940, widmete sich Uwe Wittstock den letzten Monaten im Leben Karl Marx und versuchte sowohl der Atmosphäre Algiers jener Zeit nachzuspüren, auch eine kompakte Beschreibung des Wirkens dieser bis heute streitbaren Figur. Nun wurde das Sachbuch einmal überarbeitet und liegt jetzt ebenfalls bei C. H. Beck vor.

Die Struktur dieses informativen und teilweise auf bis dato neu recherchierten Quellen basierenden Werkes, gibt dessen Tonalität vor. Immer im Wechsel wird einerseits von Karl Marx‘ Aufenthalt in der nordafrikanischen Stadt berichtet, die zur damaligen Zeit noch Bestandteil des französischen Kolonialreiches gehörte, andererseits dessen Leben und Werk, mit all ihren Facetten und auch Widersprüchen beleuchtet. Das liest sich noch nicht ganz so flüssig, wie die unter Wittstocks Feder erschienen neueren Werke, doch auch hier ist die Form die eines literarischen Sachbuchs, welcher hervorragend geeignet ist, Geschichte spannend und lebendig zu erzählen.

Dargelegt werden nicht nur entscheidende Weichenstellungen und Begegnungen im Leben des Intelektuellen, wie mit Julius Fröbel oder Karl Liebknecht,der stets die gut bürgerliche Fassade wahren, diese jedoch nur aufrecht erhalten konnte, da vor allem Friedrich Engels ihn einen Großteil seines Lebens unterstützte, und ständig auf die Revolution der unteren Klassen hoffte, die nie so eintreten sollte, als auch sein ideologisches Wirken, welches ihn mehrfach zum Staatenlosen machte. Persönliche Feinde inklusive.

Seine Beweggründe wie auch das Werk werden in kompakter Form analysiert, ohne zu sehr ins Detail oder Theoretische zu gehen, zudem der Kontrast dieser Jahre zu seinem letzten Lebensabschnittes, dieses vor allem auch privat gebeutelten Mannes. Dabei ist nicht nur das Portrait einer streitbaren Figur, sondern auch eines Kontinents im Wandel jener Jahre entstanden, die da abgerundet durch ein umfangreiches Quellenverzeichnis und ein wenig Fotomaterial nun neu aufgelegt zur Verfügung steht. Wer mal einen ganz anderen Ansatz der Herangehensweise erlesen möchte, sich mit Karl Marx zu beschäftigen, der greife zu diesem Werk.

Autor:
Uwe Wittstock wurde 1955 in Leipzig geboren und ist ein deutscher Literaturkritiker, Lektor und Autor. Zunächst arbeitete er als Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er von 1980 bis 1989 der Literaturredaktion angehörte, danach wirkte er als Lektor beim S. Fischer Verlag.

Zur gleichen Zeit war er Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Neue Rundschau. Im Jahr 2000 wurde er stellvertretender Feuilletonchef der Tageszeitung Die Welt, zwei Jahre später Kulturkorrespondent in Frankfurt/Main. Bis 2017 arbeitete er als Literaturchef des Magazins Focus. Zu seinen Werken zählen mehrere Sachbücher. 1989 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis für Journalismus.

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Anthony Passeron: Jacky

Inhalt:
Ende der Achtzigerjahre wachsen Anthony und sein Zwillingsbruder in einer engen Familie auf, in einem abgeschiedenen Tal im Hinterland von Nizza. Zusammen mit ihrem lebensfrohen Onkel vertreiben sie sich die Langeweile mit Videospielen – einer neuen Leidenschaft, die ihnen ihr Vater Jacky weitergibt. Nach und nach werden die Spiele zu einem Zufluchtsort für die Brüder, vor der Eintönigkeit ihres Alltags und vor den Schicksalsschlägen, die bald ihre Familie treffen. Bis zu dem plötzlichen, überraschenden Verschwinden ihres Vaters. (Klappentext)

Rezension:
Zunächst ist es nur eine einzelne Aktion, die man immer schneller ausführen muss, bis man unweigerlich scheitert, doch nach und nach werden die Konsolenspiele, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Welt, bald auch die französische Provinz erobern. Immer komplexer, so wie die Sicht des Kindes, welches nach und nach die Widersprüchlichkeit und auch harte Brutalität der Erwachsenenwelt erkennen muss, ohne sie gleich zu begreifen.

Mein Bruder und ich erstarrten vor unserer Mutter, die Augen vor Scham gerötet. Ich flehte sie mit Blicken an, unsere unüberlegte Frage nicht zu beantworten. Sie war kurz davor, ein Geheimnis zu verraten, eine Antwort zu geben, die unserer Kindheit ein Ende setzen könnte, und ich war noch nicht bereit dafür.

Anthony Passeron: Jacky

Für den französischen Autoren Anthony Passeron und seinem Zwillingsbruder waren diese Spiele die Rettung und zugleich ein Gleichnis dessen, für das, was mit ihrer Familie während der Kindheit passierte. Diese zwei Säulen bilden die Grundlagen seines autobiografischen Romans, mit dem der Autor versucht zu verarbeiten, was im Zeitraum des Lebenszyklus‘ dreier Spielkonsolen geschah.

„Jacky“ erzählt dabei gleich in mehrerer Hinsicht vom Verschwinden. Einerseits Verdrängungsprozess kleiner tradioneller Familienbetriebe und geübter Strukturen, in denen der eigene es immer schwerer hat, von der Vaterfigur am Laufen gehalten zu werden und schließlich aufgegeben werden muss, auf der anderen Seite der Wandel von Rollenbildern und Anforderungen an die nächste Generation, die Globalisierung, die schließlich in Form einer Seuche zwei Familienmitglieder das Leben kosten wird.

Zunehmend wird dabei für Anthony und seinem Zwillingsbruder die Welt der Videospiele zum Zufluchtsort, die nur zu Beginn zugleich das verbindende Element zur verschwindenden Vaterfigur ist. Neben dem Brüderpaar, Two Players Game, ist er die Hauptfigur dieses zweigliedrigen Romans, der parallel die Geschichte des Aufkommens der Spielekonsolen erzählt. Beginnend mit dem Atari 2600, der als erstes Dank des technisch begisterten Vaters in den Haushalt der Familie Einzug hält.

Dies erzählt der Autor in kompakt gehaltenen Kapiteln, in denen kein Wort zu viel verloren wird. Tatsächlich genügen wenige Sätze, um wie Nadelstiche Ereignisse schmerzvoll vor Augen erscheinen und Charaktere aufleben zu lassen. Es braucht nicht viel, Orte filmisch zu beschreiben, die Begeisterung für die anfangs aus nur einigen Pixel bestehenden Welten zu verdeutlichen, andererseits das Begreifen mit zunehmenden Alter, welches Anthony und sein Bruder gleichsam fortschreitender Spielelevel zur immer größeren Herausforderung werden wird. Wie viel kann ein Kind, wie viel eine Familie aushalten? Eine Frage, die sich mit zunehmender Seitenzahl immer vehementer in den Vordergrund schiebt und bald das handlungstreibende Element sein wird.

Unsere Eltern wollten, dass wir echte Schlägertypen waren und gleichzeitig diszipliniert genug, um in der Schule erfolgreich zu sein. Unweigerlich würden wir eine Seite enttäuschen müssen.

Anthony Passeron: Jacky

Erzählt wird der Roman aus der Sicht des jungen Anthony, dem gegenüber der Vater steht, der immer weniger Verständnis für seine empfindsamen Sprösslinge zeigt, aber eben auch selbst nie gelernt hat, Worte zu finden, um den eigenen Schmerz Ausdruck zu verleihen. Diese Sprachlosigkeit durchzieht die Erzählung und sagt dennoch so viel. Man kann das alles nicht lesen, ohne davon berührt zu werden, gerade wegen des Spiels mit den Gegensätzen, welches der Autor meisterhaft beherrscht.

Das störte mich weniger für mich als für meinen Vater. […] Trotzdem schämte ich mich am Ende des Kurses, wenn er mit meinen Turnschuhen in der Hand auf mich wartete, ich schämte mich vor ihm. Es half nichts, es war wie ein Fluch, etwas absolut Unvermeidliches. […], wenn ich vor seinen Augen eine Niederlage einsteckte, beschmutzte ich seinen Namen.

Anthony Passeron: Jacky

Einerseits das Nebeneinander der Figuren, welches im Verlauf der Geschichte fast zu einem Gegeneinander wird, aus der Perspektive des einem, andererseits die ungewöhnliche Gliederung des Romans entfachen eine Dynamik, die selbst aus wenig viel werden lässt, ohne dabei zu verlieren. Lücken gibt es da nicht. Unausgesprochenes tönt sehr laut. Der Gang Richtung Abgrund nimmt mit zunehmender Seitenzahl entsprechend Fahrt auf. Gekonnt gesetzte Rückblenden ergänzen diese wunderbare kleine Erzählung, die die Dynamik einer Familie aufzeigt, die an ihre Grenzen gerät.

Der Schriftsteller Anthony Passeron verarbeitet nach seinem Debüt hier einen weiteren Aspekt seiner Familiengeschichte und setzt dabei auch den Anfängen einer Technologie ein Denkmal, die bis heute in ihren Ausprägungen Millionen beeinflusst und manchen sicherlich auch Zuflucht und Rettung bietet. Jeder, der selbst schon ein neues technisches Gerät angeschaltet und dem zugesehen hat, wie der Bildschirm zum Leben erwacht, kann das nachvollziehen. Auch alle anderen wird diese Geschichte voller Sehnsucht und Traurigkeit so schnell nicht loslassen, was sicherlich zu großen Teilen der hervorragenden Übersetzung Lena Müllers zu verdanken ist.

Wer sich für ungewöhnlich erzählte Familiendynamiken begeistern kann, zudem die Abgründe menschlicher Schicksalsschläge nachspüren, gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte ergründen will, dem ist „Jacky“ von Anthony Passeron zu empfehlen. Gleichwohl muss man sagen, dass es nicht zu empfehlen ist, ist man selbst gerade nicht in positiver Stimmung. Game Over.

Autor:
Anthony Passeron wurde 1983 geboren und ist ein französischer Schriftsteller. Er wurde in Nizza geboren und studierte nach der Schule französische Literatur, die er unterrichtete, bevor er selbst zum Autor wurde. Sein erster Roman erschien 2024 in der deutschen Übersetzung. „Jacky“ ist Passerons zweite Erzählung.

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Wolfgang Niess: Schicksalsjahr 1925

Inhalt:
Wahlen entscheiden über das Schicksal von demokratien. Das ist heute wieder so bewusst, wie lange nicht. Kommen die Falschen in höchste Ämter, können Demokratien scheitern. Im April 1925 wählen die Deutschen Paul von Hindenburg zu ihrem Reichspräsidenten und legen damit eine Zeitbombe, die 1933 mit zerstörerischer Gewalt explodieren sollte. Wolfgang Niess zeigt, wie es dazu kam, und warum Hindenburg zum Totengräber der ersten deutschen Demokratie wurde. (Klappentext)

Rezension:
Heute haben Techbosse aus Übersee das Heft des Handelns an sich gerissen und spielen das Playbook der Zerstörung demokratischer Gesellschaften. Gemeinsam mit willfährigen Politikern der Neuen Rechten demontieren sie um der Macht und Einfluss willens Pluralismus und Vielfalt. Und jene, die sie vertreten, schauen gebannt der Zerstörung zu, wie die Kaninchen vor der Schlange, die diese Akteure nicht ernstnehmen und erst, wenn es zu spät ist, begreifen, was sie verloren haben. Das kann man derzeit in den USA erleben, in anderer Ausprägung in Teilen von Europa. Dort aber, müsste man es eigentlich besser wissen, denn bereits 1925 spielten rechte Kräfte dieses Playbook schon einmal durch. Und führten damit den Kontinent und schließlich auch die Welt in den Abrgund hinein.

Der Schriftsteller und Historiker Wolfgang Niess nimmt uns mit auf eine Zeitreise ins Jahr 1925, dessen Verlauf Steine ins Rollen brachten, die in der Rückschau schwere Folgen für die erste Demokratie auf deutschen Boden gehabt haben. Als der erste Reichspräsident der Weimarer Republik sahen rechte Kräfte um den Vordenker und Strategen Friedrich von Loebell ihre Chance gekommen, um ihren Kandidaten zu platzieren, der erst einmal in Amt und Würden gebracht, den Staat aus den Angeln heben und nachhaltig verändern sollte. Doch, wie kam es dazu, dass deren Wahl ausgerechnet auf Hindenburg fiel?

Was trieb sie, was trieb ihn an, sich einer Wahl zu stellen, deren Zeiger zu Beginn eher zu Gunsten republikanischer denn revanchistischer Kräfte standen? War Hindenburg wirklich nur Wachs in den Händen von schlechten Beratern? Welche Ziele verfolgte der alte „Held von Tannenberg“, der mehr propagandistische als militärische Fähigkeiten besaß, als man teilweise noch heute glauben möchte?

Diesen Fragen geht der Autor auf die Spur, von der wirtschaftlichen und politischen Ausgangslage her, in der sich das Deutsche Reich in seinen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg befand und erzählt das Spiel der Kräfte von seinen Akteuren her. Loebell und Hindenburg auf der einen Seite, deren Persönlichkeiten sehr strukturiert analysiert werden, auf der anderen Seite, die falsche Entscheidungen fällten und damit in Fallen liefen, deren schmerzhafte Folgen sie acht Jahre später zu spüren bekamen.

Dabei zeigt Wolfgang Niess, dass Hindenburg keineswegs alternativlos gewesen ist, auch mit offenen Karten spielte, die nicht nur ausländische Kräfte durchaus sahen, sondern eine Geselllschaft nur allzu bereit war, mögliche Folgen zu übersehen, politische Kräfte zunächst an ein Arrangement glaubten, welches letztlich nicht eingehalten werden sollte. In kompakten Kapiteln, anhand der Betrachtung der politischen Situation des Jahres 1925, der Wirtschaft, gleichermaßen Opposition und Träger der Demokratie, wird dieses eingebettet im Vor- und Nachher fesselnd dargestellt.

Gut recherchiert zeigt dieses hoch informative Sachbuch, was passiert, wenn man nur einen Moment zu lange die Augen vor der Wahrheit verschließt, und hinterfragt zum Einen das Bild von Hindenburg als Spielball von anderen, sowie das Gedenken an diese Person in heutiger Zeit einerseits, andererseits aber auch indirekt, ob wir nicht heute ähnliche Warnzeichen übersehen und wieder in gestellte Fallen laufen. Genau wie damals. Und so hat Wolfgang Niess hiermit ein wichtiges und sicherlich zu diskutierendes Werk geschaffen.

Interview mit dem Autoren: Hier klicken. (Quelle: Deutschlandfunk)

Autor:
Wolfgang Niess wurde 1952 in Giengen an der Brenz geboren und ist ein deutscher Historiker, Autor und Moderator. Er studierte in Stuttgart und Tübingen Geschichte, Politikwissenschaft, Mathematik und Kommunikationswissenschaften und ist Autor zahlreicher Radio- und Fernsehsendungen, veröffentlichte verschiedene Aufsätze und Buchpublikationen zu Aspekten der zeitgeschichte. Für den SWR und SDR moderierte er Radiosendungen und entwickelte die Veranstaltungsreihe „Autor im Gespräch“ und gehört dem Wissenschaftlichen Beirat des Vereins Weimarer Republik zum Haus der Weimarer Republik an.

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Jörg Baberowski: Die letzte Fahrt des Zaren

Inhalt:
Ende Februar 1917: In den Palästen Petrograds wird getanzt und in den Opern gesungen, während sich auf den Straßen die Proteste ausweiten und die staatliche Ordnung in Bedrängnis gerät. Doch weil der Innenminister glaubt, alles im Griff zu haben, verlässt der Zar mit seinem glamourösen Hofzug die Hauptstadt. Er sollte sie nie wieder betreten, denn jetzt geht alles ganz schnell, bricht eine unerschütterlich wirkende Herrschaft in wenigen Tagen zusammen. In einem alles mitreißenden Strudel geht das Zarenreich unter und mit ihm alle Alternativen, die Russland in eine andere Zukunft geführt hätten.

Die letzte Woche des Zarenreichs so lebensnah, als säße man im Kino. (Klappentext)

Rezension:
Die 300-jährige Dynastie der Romanows scheint auch in Kriegszeiten unerschütterlich mit beiden Beiden in der Gesellschaft des Riesenreichs verankert, in den man auf den Straßen auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Unterschiede zwischen den Ständen merkt. Die einen leben in prächtigen Palästen in und im Umland von Petrograd, besuchen Opernstücke und Theateraufführungen, die anderen schufften in den Fabriken, die sich an der Newa teilweise in direkter Nachbarschaft wie bei einer Perlenkette aneinanderreihen. Die Differenzen zwischen den Lebenswirklichkeiten beider Welten, sie könnte nicht größer sein.

Schon länger brodelt es unter der Oberfläche der einen leise vor sich hin, von der alten Ordnung kaum beachtet oder ernst genommen. Doch innerhalb weniger Tage kehren sich die Verhältnisse um, versinkt Russland in Anarchie und Chaos und die Herren von einst müssen plötzlich um ihr Leben fürchten. Der Historiker Jörg Baberowski zeichnet in seinem hoch informativen und gut recherchierten Sachbuch das Bild eines Strudels, der sich immer schneller dreht und den sich keiner entziehen kann, sobald dieser die Betroffenen erfasst.

Vorangestellt ist Reflexion jener Tage zunächst ein Zitat von Hannah Arendt, über die Zersetzung de Staatsmacht und warum Revolutionen des Zepter von standhaft geglaubten Systemen übernehmen, welches bezeichnend ist für jene Tage, deren Spuren der Autor nachverfolgt. Dabei schafft Baberowski zunächst einen Überblick über die Situation in der glanzvollen Stadt der Zaren, in der das Leben auch in Kriegszeiten unbeirrt weiterzugehen scheint, zeigt aber auch den Kontrast zum übrigen Russland, der Frontgebiete auf, die für die Regierenden im Fokus stehen, dabei die Lebenswirklichkeiten der Menschen nicht ernstnehmend, was ihnen bald auf die Füße fallen wird.

Es ist ein Land voller Gegensätze, welches anhand der dargestellten Personen deutlich wird, derer wir auf Schritt und Tritt folgen, den weltfremden Komponisten einerseits, der einmal am gleichen Tag wie Stalin unbeachtet von der Welt sterben wird, einem Herrscher, der sich nicht für das Regieren oder gar für Entscheidungen eignet und das Volk, welches unter der sich mehr und mehr zuspitzenden Versorgungslage leidet, auf der anderen Seite.

Diese Gemengenlage ist es, die den Kessel innerhalb weniger Tage zum Explodieren bringen und einen Strudel der Gewalt und Willkür oder, dem bald ehemaligen Zaren zufolge „Lüge, Feigheit und Verrat.“, entfesseln wird und dieses hochspannend formulierte Sachbuch die Chronologie dieser Ereignisse. Auf reicher und vielschichtiger Quellenlage gestützt verfolgt Baberowski, wie Fehlentscheidungen der einen, wie Zufälle und Glücksgriffe, je nach Perspektive, zu den Zusammenbruch eines Systems führten, welches die Welt bis dato noch nicht gesehen hatte und der dessen Verbündete in Zweifel stürzen sollte und ein Land in einen Bürgerkrieg, den schon zu Beginn Hunderte zum Opfer fallen sollten.

Eingerahmt zwischen einer Karte Russlands und Petrograds wechseln die Schauplätze der Handlungsorte jener Tage, wie auch das Tableau an Personen, die plötzlich zu Entscheidern werden, aber auch jenen, die nun in einem Scherbenhaufen stehen, den sie selbst verursacht haben. Der Geschichtswissenschaftler verfolgt dabei vielen Spuren, so dass ein spannendes Portrait dieser Zeit entsteht, welches dazu einlädt, selbstständig zu recherchieren, ob der Leben handelnder Personen oder Orten und Gebäuden, ihrer Historie. Dabei wird hier der Mechanismus eines Zerfalls dargestellt, der sowohl die Schwächen eines starren und nicht zur Wandlung fähigen Systems aufzeigt, andererseits Ausnahemzustand, aber auch, dass die Revolution auch dort nicht halt macht, vor jenen, die sie entfesseln.

Geschichte kann so spannend wie ein Krimi sein, ein Teppich voller Handlungsstränge, bei denen eines zum anderen führt. Klar wird, Revolution und Bürgerkrieg waren nicht gesetzt, nicht einmal der Fall der einst mächtigsten und größten Herrscherdynastie der Welt selbst. Das zeigt Jörg Baberowski in aller Deutlichkeit, ohne entscheidende Details auszulassen und dennoch so kompakt wie möglich uns in jene Tage eintauchen zu lassen. Am Ende wird dabei auf einzelne Akteure nochmals eingegangen, hier hätte ich mir jedoch noch ein kleines Personenregister mit biografischen Informationen gewünscht. Das jedoch fällt nicht wirklich weiter ins Gewicht.

Ansonsten ist die Lektüre allen zu empfehlen, die die Atmosphäre dieser Zeit aus verschiedenen Perspektiven heraus aufgreifen möchten. Man wünscht sich mehr Sachbücher jener Art.

Autor:
Jörg Baberowski wurde 1961 in Radolfzell am Bodensee geboren und ist ein deutscher Historiker und Gewaltforscher. Seit 2002 ist er Professort für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er studierte zunächst Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft in Göttingen und war wissenschaftlicher Mitarbeiter am seminar für Osteuropäische Geschichte an der Universität Frankfurt/Main. In Tübingen habilitierte er, mehrere Forschungsaufenthalte u. a. in Finnland und Russland schlossen sich an.

Im Jahr 2001 übernahm er den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschhichte in Leipzig vertretungsweise, bevor er nach Berlin wechselte, von 2004-2006, sowie 2007-2009 war er Vorsitzender des Fördervereins des Instituts für Geschichtswissenschaften. Er ist Autor mehrerer Bücher und Aufsätze zur russischen und sowjetischen Geschichte, sowie von Kolumnen in verschiedenen Zeitungen.

2012 erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse, in der Kategorie „Sachbuch“.

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Nicht jede Geschichte hat zwei Seiten.

Janis V. Montreau „Ohnmacht“

Manche Formen von Gewalt sind laut.
Andere sind so leise, dass sie niemand hört – außer dem, der sie selbst erlebt.

Ohnmacht erzählt von einer solchen Geschichte.
Von einem Vater, der zusehen muss, wie ihm alles genommen wird.
Von einer Wahrheit, die sich immer weiter verschiebt, bis sie nicht mehr greifbar ist.
Und von einem Kind, das erfahren muss, dass Liebe auch immer Schmerz bedeutet.

Dieses Buch fordert keine schnellen Urteile.
Es stellt Fragen.
Und es schaut dorthin, wo es wehtut.

Erscheint am: 5. Mai 2026 im Kapitel II Verlag (Forward Verlag Imprint), ISBN: 978-3-91242-700-4, 776 Seiten, Taschenbuch.

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